Das Antiquariat um die Ecke

Praktisch oder mit der Zeit kostspielig? Wenn ich mit dem Fahrrad vom Bahnhof nach Hause fahre, komme ich, wenn ich möchte, an einem Antiquariat vorbei. Gestern hatte ich wieder das Bedürfnis in die Katakomben runterzusteigen, denn nicht alles befindet sich im Erdgeschoss.

So wie es aussah, war erst kürzlich neue Ware abgegeben worden, denn überall stapelten sich „neue“ Bücher. An diversen Orten gibt es in diesem Antiquariat wirklich Bücher nach Verlagen gegliedert, was ich bei Diogenes natürlich sehr schätze. Ich war eigentlich auf der Suche nach einem Buch von Ian McEwan, aber der war überhaupt nicht vertreten, dafür gab es umso mehr Titel von Donna Leon, an der ich nicht interessiert war. Dann strahlte mir aus der „Suhrkamp“-Schachtel Tschingis Aitmatow entgegen. Wer kennt seine „Dshamilja“ nicht? Doch mein Interesse galt diesem Buch hier:

Meine Neugierde wurde geweckt., nachdem ich vor zwei Wochen die Arte-Dokuserie „Seen auf dem Dach der Welt“ angeschaut hatte, als der Yssykköl, in Kirgisistan porträtiert wurde und vom „Der weisse Dampfer“ von Tschingis Aitmatow die Rede war. So ein Glück aber auch!

Und kürzlich konnte John Irving seinen 70. Geburtstag feiern. Na, da nahm ich doch gerne seinen Roman „Das Hotel New Hampshire“ mit. Ich bezweifle, dass jemand dieses Buch überhaupt gelesen hat, denn der Umschlag war nicht abgestossen, die Seiten waren blütenweiss.

Da hat einer seine Märchen- und Lyriksammlung entsorgt oder die Bibliothek eines lieben Verstorbenen wurde aufgelöst, denn da waren sehr viel mehr Bücher in diesen beiden Sparten vorhanden. Mir fiel dieses broschierte Büchlein, mit der Taube auf dem Buchdeckel, in die Hände. Gedichte durch die Jahreszeiten und für verschiedene Anlässe, einer mir unbekannten Schweizer Lyrikerin. Ich habe es nur kurz überflogen, aber ich war vom Inhalt, wo es noch weitere Zeichnungen gibt, gleich sehr angetan. Es lohnt sich doch immer wieder, einen Blick beim Antiquariat zu riskieren, denn meistens wird man wunderbar belohnt.

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8 Gedanken zu „Das Antiquariat um die Ecke

  1. Was entdecken denn da meine Augen? „Das Hotel New Hampshire“. Ich habe es gestern gerade beendet und bin sehr angetan, immer noch. Du darfst dich auf unglaubliche Lesestunden freuen! Mir geht es übrigens wie dir. Wenn ich in eins meiner Antiquariate gehe, komme ich niemals ohne eine Tüte heraus. Wie gut, dass sie nicht auf meinem täglichen Weg liegen, sonst… : )

  2. Antiquariate machen mich aus dem Grund immer etwas traurig, den du im Post anführst, liebe Büchermaniac, dass der Besitzer der Bibliothek, die dort verkauft wird, meist schon tot ist. Da erwirbt man sich über Jahre einen Leseschatz und dann will’s von den Erben keiner haben… Und für meinen Geschmack riechen die Orte, oft in Kellern oder dunklen Hinterhöfen, hin und wieder auch ein bißchen nach Gruft. Manchmal kaufe ich mir dort ein Buch, einfach weil mich eine Widmung darin so rührt…. LG mila

    • Als ich meine Bücher bezahlte, war der Antiquar gerade dabei aus Kisten Bücher zu sortieren. Ich fragte ihn, ob er wieder neue Ware bekommen habe. Da seufzte er und meinte, wenn er so viel verkaufen würde, wie rein komme…

      Natürlich ist es traurig, wenn ganze Privatbibliotheken aufgehoben werden. Ich frage mich da auch, was einmal mit meinen Lieblingen passieren wird, wenn ich nicht mehr bin. Wenn ich daran denke, dass ich eine ganze Sammlung eines Verstorbenen übernehmen müsste, dann würde meine Wohnung aussehen, wie bei einem Messie, weil ich einfach nicht mehr wüsste, wohin mit all den Büchern, leider.

      Herzlich buechermaniac

  3. Ich könnte auch jeden Tag ins Antiquariat schauen, denn dort findet man eigentlich immer etwas. Meistens ein Buch, was man gerade nicht sucht. Um so schöner ist aber Überraschung. “Dshamilja” hat mich nicht so berührt. Dafür hatte ich aber noch die Gelegenheit ihn auf einer Lesung in Leipzig zu sehen. Sehr beeindruckend. Leider war er damals schon vom Alter und Krankheit gezeichnet.

    • Ich kann gar nicht mehr sagen, wie ich „Dshamilja“ fand. Da ergeht es mir nämlich wie dem „hausundhirschblog“ (siehe Kommentar vor dir), ich weiss auch nicht mehr, worum es da ging, denn es ist einfach viel zu lange her, dass ich den Roman gelesen habe. Das stimmt, man würde immer etwas finden, deshalb fahre ich auch nicht immer beim Antiquariat vorbei, sonst sieht man mich in der Wohnung vor lauter Büchern überhaupt nicht mehr 😉

  4. Wie bei dem bloßen Anblick der Bücher und deren Titel und Autoren Erinnerungen wachgerufen werden können: von Aitmatow habe ich als Jugendliche „Dshamilja“ gelesen, und ich weiß überhaupt nicht mehr, über was in diesem Buch geschrieben wurde. Und trotz dieser Unkenntnis fühlt es sich einfach heute noch gut an, den Namen des Autors zu lesen … muss mir gefallen haben, damals.
    (Muss jetzt aber mal schnell im Kindler nachlesen … )

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