Ein verrücktes Wander-Wochenende

Im Freitags-Füller habe ich erwähnt, dass es uns in die französische Schweiz verschlagen würde. Genauer gesagt, sollte es uns auf den Moléson verschlagen, der im Kanton Freiburg liegt und auf einer Höhe von 2002 Metern hat man eine Aussicht, die ist wirklich fantastisch.

Der Weg führte uns vom Thunersee durch das Simmental. Als wir den Jaun-Pass hochfuhren, waren wir bald von dichtem Nebel eingehüllt und die Temperatur stürzte auf sechs Grad. Da war eine heisse Gulaschsuppe gerade das Richtige.

Als wir wieder ins Tal Richtung Bulle fuhren, waren wir ziemlich optimistisch, denn teilweise versuchte die Sonne ihr Glück. Auf dem Parkplatz vor der Standseilbahn, wo wir mit Freunden verabredet waren, die auch, wie wir, nicht fahren wollten, sackte mein Optimismus wieder ziemlich ab. Der Zufall wollte es, dass noch ein Wandervogel zu früh war und sich uns anschloss. Es regnete zwar nicht, aber gerade vielversprechend liess es sich auch nicht an, trotzdem wanderten wir von der Talstation hinauf bis zur Mittelstation auf 1506 Metern.

Wir hatten vorher noch Kontakt mit den anderen Kollegen, die fahren wollten. Mit ihnen hatten wir uns zumindest in der Mittelstation verabredet. Der Aufstieg war steil, wir kamen trotz der Kälte ins Schwitzen. Weiter oben kam uns ein Mann entgegengespurtet und meinte, er wäre nicht bis hinaufgelaufen, weil ein eisiger Wind ihn empfangen habe. Deshalb sei er wieder umgekehrt.

In der Mittelstation stiegen Leute mit Sandalen und Stöckelschuhen aus, die waren zu einer Hochzeitsfeier im nahen Restaurant unterwegs. Na, wenn dieser Tag mal keinen bleibenden Eindruck hinterlässt!

In der Seilbahn nahmen wir die letzten 500 Meter Höhe. Die Bahn verschwand einfach im Weiss. Waren da überhaupt Drahtseile?

Wir bezogen das Massenlager und setzten uns danach ins Restaurant, wo es ziemlich frisch war. Durch eine Türritze pfiff der Wind und wir mussten uns in unsere Pullover und Faserpelzjacken hüllen. Gäste kamen für Fondue-Plausch auf den Berg und fuhren um 23 Uhr mit der letzten Seilbahn wieder ins Tal. Wir Wanderer hatten uns wenigstens das Abendessen verdient, es war lecker. Danach  bekamen wir von einem Astronomen Einblick in die Astronomie. Der Vortag war superspannend und man macht sich keine Vorstellung von den Dimensionen mit all den Planeten. Ein Observatorium ist unter dem Dach eingerichtet. Eigentlich war geplant, dass wir einen Blick durchs Teleskop in den Sternenhimmel werfen: Die Wolken gaben nur schnelle den Mond frei, ansonsten war kein Stern zu sehen. Schade!

Wir erfuhren, wie das Teleskop eingestellt und programmiert werden kann. Auf der Terrasse pfiff ein winterlicher Wind. Ohne Windfaktoren zu berücksichtigen hatten wir noch 3 Grad! Da ging es schnell wieder an die Wärme, wo noch ein wenig Karten gespielt und diskutiert wurde, bevor es in den Schlafsack ging.

Am nächsten Morgen wachte ich vor sieben Uhr auf, Morgenröte lag über den frisch verschneiten Bergspitzen. Ich wollte raus und endlich sah ich, wo ich war.

Der Genfersee lag vor den Füssen, die Jurakette, die Berner Oberländer Alpen, die Walliser Alpen, waren jetzt zu sehen, immer mal wieder zogen Nebelfetzen vorbei.

Die warmen Sonnenstrahlen, die sich nach dem Frühstück einstellten, waren bei allen herzlich willkommen. Zwei Tage vorher lag noch Schnee da oben, jetzt war noch eine Handvoll Schnee übrig.

Als wir aufbrachen, fuhren wir wieder bis zur Mittestation, danach zogen es einige von uns vor, wieder zu wandern. Im Tal entschlossen wir uns, noch einen Abstecher ins mittelalterliche Städtchen Gruyère (zu Deutsch Greyerz) zu machen. Das ist ein absoluter Tourismus-Magnet.

Das Schloss kann besichtigt werden. Der Künstler H.-R. Giger, der für den Film „Alien“ Figuren entworfen hat, hat ein Museum und ein Café. Wir schlenderten nur durch die gepflasterten Gassen, kauften noch Meringue auf Vorrat und machten uns aus dem Trubel auf den Heimweg. Inzwischen war die Sonne wieder da, aber der Herbst lag definitiv in der Luft.

6 Gedanken zu „Ein verrücktes Wander-Wochenende

    • Der Ausblick ist wirklich atemberaubend. Mehrere Seen, viele Berggipfel, der Blick schweift bis nach Frankreich. Es wäre ein Jammer gewesen, wenn am Sonntag auch noch Nebel die Aussicht verhindert hätte.

    • Ganz bestimmt nicht. Vor allem war es natürlich schön, dass wir am Sonntag dann doch noch eine traumhafte Aussicht in alle Himmelsrichtungen geniessen konnten. Und auch der junge Astronom hat sich super engagiert. Der Einblick in die Astronomie war total spannend.

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