Ein ganz besonderes Paar

Schon seit Jahrzehnten führe ich Tagebuch, wenn ich auf Reisen bin. Angefangen habe ich damit, als ich achtzehn Jahre alt war und die Koffer packte, um meine Stelle als Au-pair in Lytham St. Annes, in der Grafschaft Lancashire, anzutreten. Erst kürzlich nahm ich dieses Buch in die Hände und las einige Einträge, die mir ein Schmunzeln um die Mundwinkel zauberte. Schon damals beobachtete ich gerne und hielt meine Eindrücke und Wahrnehmungen vom Land und seinen Menschen in meinem Tagebuch fest.

Diese Tradition habe ich bis heute fortgeführt. Seit vielen Jahren ist das Reisetagebuch die ideale Ergänzung zum Fotoalbum.

Im Reisetagebuch halte ich unsere Reisen fest, klebe Tickets, Postkarten, Quittungen, getrocknete Pflanzen und vieles mehr darin ein. Mal ist das Buch ein gewöhnliches Schulheft, dann wieder hat es einen Leineneinband und ist mit einem Lesebändchen versehen. Ein Tagebuch habe ich vor der Reise selber gebunden. Es war von der Seitenzahl her perfekt, denn ich füllte just die letzte Seite mit meinen Eindrücken.

Noch vor zwei Jahren liess ich, mangels Digitalkamera und Laptop, die Filme entwickeln, klebte die Fotos in Spiralfotoalben ein und konnte auch andere Dinge einfügen und mit handschriftlichen Kommentaren versehen. Diese Art Alben nimmt viel Platz in den Regalen ein, waren aber schneller erstellt. Wenn ich sie heute hervorhole, fallen mir manchmal Bilder entgegen, weil sich die Fotokleber gelöst haben.

Die Digitalfotobücher sehen schon eher wie professionelle Reisebildbände aus. Die Bilder wähle ich jetzt vorher aus, jede Seite stelle ich auch selber zusammen und überlasse es nicht dem Fotoprogramm, vergrössere ein Bild auf eine ganze Seite, wenn ich der Ansicht bin, dass es im Grossformat besser zur Geltung kommt.

Nun kommt auch das Reisetagebuch zum Einsatz, denn hier habe ich Orte und Namen, Historisches usw. notiert. Es ist mein handschriftlich angelegtes Gedächtnis, um jetzt die Fotos richtig beschriften zu können. Das braucht Zeit – viel Zeit. Nach vielen Stunden Arbeit am Laptop, über mehrere Abende hinweg, sind meine Augen nach Fertigstellung beinahe viereckig. Ein Klick, die Fotos werden geladen – und nach etwa einer Stunde tritt die Datei den Weg ins Fotolabor an.

Ganz gespannt pilgere ich dann jeden Tag zum Briefkasten und äuge hinein, ob darin wohl ein grosser, weisser Karton auf mich wartet. Wenn es dann soweit ist, lasse ich die Tasche in der Wohnung fallen und werfe einen ersten Blick auf das Ergebnis. Später wird es dann nochmals in aller Ruhe, auch im Beisein meines Schatzes, angeschaut, bewundert und diskutiert. Die Reise findet nochmals auf dem Sofa statt, bis ich das Buch mit einem zufriedenen Lächeln schliesse.

Das Reisetagebuch oder das Fotobuch wird immer mal wieder hervorgeholt, einzeln oder gemeinsam, aber immer bilden die beiden Bücher für mich eine Einheit – ein Paar.

6 Gedanken zu „Ein ganz besonderes Paar

  1. So werde ich das demnächst auch machen. Fotobücher gestalte ich sowieso jeweils am Ende des Jahres (als eine Art Jahrbuch), aber das Papier/das Buch ist natürlich zu teuer, um dort allzu lange Texte zu schreiben oder gar etwas einzukleben. Zwei sich ergänzende Bücher, das scheint mir (für mich) die geniale Lösung zu sein. Danke für den Tipp.

  2. Holla, das ist wirklich viel Arbeit, liebe Lesewelle. Andererseits hast du deine Fotos dann zum Angucken in der Hand. Und nicht wie ich in irgendwelchen Dateien im Computer. Das ist immer wieder ein Moment, in dem ich die Digitalfotografie schrecklich finde. Wahnsinnig viele schöne Fotos – aber keins auf Papier. Daher: Hut (Mütze) ab! LG Mila

    • Mir graust es jetzt schon, wenn ich an all die Fotos denke, die ich bis jetzt gemacht habe. Da werden wieder ziemlich viele Stunden ins Land ziehen, bis das Fotobuch fertig ist. Zuerst sah es so aus, als würde es nicht viele Fotos geben, da wir an einigen Orten schon einmal waren. Kaum ist man in einer neuen Gegend, dann geht die Fotografiererei schon wieder los, wie im längsten Weinkeller Österreichs oder im Stift Seitenstetten. Dann der Abstecher nach Tschechien und Wien mit seinen Prachtsbauten. Ein Fotomotiv findet sich immer wieder aufs Neue. Ich bin gespannt, wie die Bilder am PC aussehen.

      Herzliche Grüsse aus Österreich
      buechermaniac

  3. Ja, Lesewelle, das hört sich vertraut an!
    Ich mache das auch seit Jahren schon. Das erste Fotoalbum in der Richtung ist noch wirklich ein klassische Fotoalbum, schwarz gebunden mit goldenen Karolinien.
    Dann habe ich schwarze A4 Bögen für die Fotos und Einträge genommen und in Prospekthüllen gesteckt und in A4 Ordner geheftet.
    Die Fotobücher von den Photolaboren habe ich nicht für meine Reisen benutzt. Ich notiere jetzt alles auf meinem Laptop und lade es in mein WordPress hoch. Denn so habe ich alles beisammen, mein Werkverzeichnis und wie ich dazu gekommen bin.
    Mein Sohn und ich wohnen auf 40 qm, da bleibt für große Fotoalben kein Platz. Aber vier Festplatten mit Sicherungen habe ich in meinem Schrank. Meine Erinnerungen sind nun elektronisch festgehalten, wie bei der Enterprise.
    Der Rest des Platzes ist voll Bücher…..Doppelreihig —-
    Grüße und ein schönes „Urlaubsende“ sendet dir Susanne

    • Bei mir sind auch ganze Gestelle voller Fotobücher. Aber gebunden schaue ich mir die Fotos einfach lieber an als am PC. Deshalb sind die Fotobücher schon besser als die alten Alben.

      Herzliche Grüsse aus Salzburg
      buechermaniac

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