Mein selbstgebundenes Notizbuch – Teil III

Dem Bruch des ersten Heftes entlang in einer Breite von etwa 4 mm Weissleim (eigentlich müsste man eine Mischung von Weissleim und Glutolin nehmen, hatte ich aber nicht und es geht auch ohne) bestreichen. Das Vorsatzblatt gefaltet mit dem Buchblock verleimen, dasselbe am Ende des Buchblockes durchführen. Das Vorsatzblatt verbindet schlussendlich Buchblock mit den Buchdeckeln.

Nun muss der Buchblock an den drei offenen Seiten auf die Endgrösse zugeschnitten werden. Mass muss man mit der Buchhülle nehmen, die in diesem Falle vom alten Buch vorgegeben war. Dazu geht man am besten in einen Copy-Shop. Ich nehme nicht an, dass jemand einen Stapelschneider zu Hause stehen hat 😉

Als ich der Angestellten erklärte was ich wünschte, schrie ich vor Entsetzen beinahe auf. Die hätte mir, glaube ich, die gebundene Seite wieder aufgeschnitten. Ich durfte die Angestellte an die Maschine begleiten, so hatte ich alles unter Kontrolle. Moderne Schneidmaschinen lassen sich mit einem Lichtstrahl einstellen, dann saust das Messer unwiderruflich hinunter.

Der Buchrücken wird in der Regel gerundet, wie auf dem Bild zu sehen ist, ist aber nicht zwingend.

Da der Buchrücken durch die Knoten und die Bändchen noch uneben ist, wird dies ausgeglichen, indem man zwischen die Bändchen Papierstreifen klebt. Legt man danach einen Masstab darüber, sollten keine Zwischenräume mehr ersichtlich sein.

Dann wird ein Kapitalbändchen hergestellt. In meinem Falle fertige ich es aus farbigem Papier an, in der Breite des Buchrückens und einem Stück Schnur (nicht zu dick).

Mit Leim bestreichen und eine Papierhälfte über die Schnur legen und zusammendrücken. Mit Falzbein ooder Fingernagel unter der Schnur nachstreichen und schön zuschneiden 😉

Wer ein Lesebändchen haben möchte, klebt dieses zuerst auf den Buchrücken, darüber kommt das Kapitalbändchen, der Teil mit der Schnur ragt über den Buchrücken.

Nun wird aus Packpapier in Laufrichtung eine Hülse hergestellt (etwas kürzer als Buchrücken), in der Breite: Buchrücken+1 mm. Das Falzbein dem Massstab entlangziehen, 1 x falzen, ein zweites Mal falzen, nach der 3. Reihe Papier abschneiden.

Die Hülse auf einer Seite mit Leim bestreichen und schliessen, es entsteht so ein Hohlraum.

Länge der Hülse erneut mit Leim bestreichen, auf den Buchblockrücken kleben.

Buch zur Probe in den Einband legen und zuklappen, um zu sehen, ob die Buchseiten nicht über die Buchdeckel ragen. Leim auf den Rücken auftragen und mittig mit gleichem Abstand oben und unten auf den Einbandrücken pressen. Jetzt müssen noch die  Vorsatzblätter mit den Buchdeckeln verbunden werden. Es wäre wieder Leimmischung nötig. Nur Weissleim lässt eventuell das Papier wellen, deshalb habe ich es mit einem Leimstift versucht, was auch funktioniert hat. Offene Rückseite des Vorsatzes mit Leim bestreichen, Falz gut andrücken und danach gegen aussen verstreichen. Gleich verfahren mit dem Vorsatz am Buchende.

Achtung: Bei Verwendung von Weissleim Karton zwischen Vorsatzblatt legen, beim Zuklappen des Buches, damit kein überschüssiger Leim das Werk verschmiert. Dann zum Pressen zwischen die Holzplatten legen und mit zwei oder besser vier Schraubzwingen zusammenschrauben und trocknen lassen. Bei Verwendung mit Leimstift ist dies nicht nötig.

Das Notizbuch ist fertig. Wird kein altes Buch genommen, muss natürlich auch der Bucheinband hergestellt werden. Dies erkläre ich ein anderes Mal. Ich muss allerdings gestehen, dass mein Notizbuch nicht mehr den Originalrücken aufweist. Mir ist nämlich ein Fehler unterlaufen: als ich die Hefte vorbereitete, legte ich diese lose neben den alten Inhalt. Ich habe nicht daran gedacht, dass beim Verleimen und Pressen der Buchblock schmäler wird. Deshalb musste ich den alten Rücken entfernen und einen neuen mit Buchbinderleinen herstellen. Das ist aber nicht weiter tragisch. Mir gefällt mein fertiges Notizbuch trotzdem.

Passend dazu finde ich auch den Buchtitel zum Notizbuch, das ist mir erst im nachhinein aufgefallen „Ausgewählte Schriften“!

Blick ins Buch

Aussenansicht

Ich betone nochmals, dass ich vor vielen Jahren einen Wochenendkurs im Buchbinden besucht habe und seit ich letztmals ein Buch gebunden habe, sind sicher wieder vier Jahre ins Land gezogen. Es ist also immer wieder ein Abenteuer für mich. Ich hoffe, es hat trotzdem Spass gemacht, hier mitzulesen und bei Fragen oder Kritik, halte ich gerne meinen Kopf hin.

Mehr von meinen Werken findet ihr in der Galerie.

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8 Gedanken zu „Mein selbstgebundenes Notizbuch – Teil III

  1. Guten Abend
    Danke für die sehr gut geschilderte Erörterung Deines Schaffens.
    Ich führe schon seit Längerem eine Art Jahresheft, quasi eine Mischung aus Tagebuch und Erinnerungsnotizen, untermalt mit Fotos, eigenen Grafiken, etc…
    Anfangs begnügte ich mich mit gekauften Schulheften. Mit den Erfahrungen des Niederschreibens wuchsen auch meine kreativen Ideen, die mehr und mehr Seiten forderten. Dann taxierte ich mir jedes Jahr selbst Hefte für das kommende Jahr zusammen… Nicht sonderlich ästhetisch. Zudem kommt meine Kreativität mit einfach gebundenen Heften an ihre Grenze.
    Also ist „NotizBUCH binden“ angesagt. Neuland für mich. Umso ermutigender deine Beschreibung hierzu. Vielen Dank hierfür 🙂
    Grüßle Tom
    PS: wie kommt man an z.B den erwähnten Wochenendkursen? 😉

    • Hallo Tom

      Vielen Dank für deinen Besuch auf meinem Blog. Was den Wochenendkurs fürs Buchbinden angeht, war das eine reine Insiderveranstaltung. Eine Freundin kannte einen Buchbinder, der einigen Frauen die Grundkenntnisse im Buchbinden an einem Wochenende weitergab. Leider habe ich sonst auch keinen Zugang zu solchen Kursen. Aber im Internet wirst du vielleicht fündig.

      Herzliche Grüsse

      buechermaniac

  2. Genau so (oder vielleicht auch doch nur so ähnlich ;-)) habe ich mal in der Schule 1-2 Bücher gebunden. Das war auch spaßig und das Ergebnis ist in der Regel (wenn man es nicht TOTAL versaut hat) wirklich vorzeigenswert!
    Viel Spaß bei weiteren, buchbinderischen Kreationen,
    Charlousie

    • Herzlich willkommen auf der lesewelle. Schön habt ihr so etwas in der Schule gemacht. Ich hab ja noch mein allererstes „gebundenes“ Bilderbuch, das wir in der Schule kreiert haben, allerdings wurde es damals nur gelocht und mit Bast zusammengebunden.

      Ganz bestimmt werde ich weiterhin noch Notizbücher binden. Je kürzer die Abstände bis zur nächsten Buchbindetätigkeit sind, desto mehr gehen natürlich die Abläufe in Fleisch und Blut über. Also bis ich das nächste Buch in Angriff nehme, werden sicher nicht mehr vier Jahre ins Land ziehen.

      Ich wünsche dir einen schönen Tag
      buechermaniac

  3. Ja, es hat mir viel Spaß gemacht, Lesewelle! Hast du meine Mail bekommen?
    Ich schaue in den Antiquariaten jetzt schon nach Büchern mit schönem Einband und werde bald selber probieren!
    Grüße von Susanne

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