Ein Besuch im Stift Seitenstetten

Unser Urlaub führte uns kürzlich nach Österreich und somit hin und wieder auch in eines der vielen Klöster. Diesmal nutzten wir die Gelegenheit, um an einer Führung im Stift Seitenstetten, in der gleichnamigen Ortschaft, im Bundesland Niederösterreich, teilzunehmen.Das Stift, das dem Benediktinerorden angehört, feiert dieses Jahr sein 900jähriges Bestehen. Zurzeit wohnen im Kloster noch 33 Mönche, davon sind 21 im Stiftsgymnasium tätig. Die Schulglocke schrillt, dann öffnen sich die Türen und die 350 Schüler die hier die Schulbank drücken, wuseln durch die Gänge. An der Führung nahm auch ein älterer Herr teil und es stellte sich heraus, dass er hier auch einst Klosterschüler war. Doch an diese Zeit hat er wohl kaum gute Erinnerungen, denn als ihn der Führer fragte, ob es ihm hier gefallen habe, überlegte er nicht lange und verneinte.

Verschiedene Räume können besichtigt werden, unter anderem die Ritterkapelle oder die Gemäldegalerie, die sehr beeindruckend ist. Die Stifts-Bibliothek ist aussergewöhnlich, sind doch die 16’000 Bücher alle in weisses Schweinsleder gebunden, was ziemlich einzigartig ist. Durch die weissen Buchrücken wirkt der Raum hell und nimmt ihm die Schwere, die oft von solchen Räumen ausgeht.

An einigen Stellen in den Bücherregalen sind Lücken festzustellen. Wir erfahren, dass die Lücken durch Buchdiebstahl entstanden sind. Es kam auch schon vor, dass In einigen Büchern einzelne Seiten herausgeschnitten oder -gerissen wurden. Deshalb lässt man inzwischen Besucher nicht mehr unbeaufsichtigt in die Bibliothek. Im ganzen Kloster gibt es 80’000 Bücher. Es versteht sich von selbst, dass diese Exemplare nach wie vor zum Studium genutzt werden.

Spezielle Buchexemplare sind in der Vitrine zu bewundern, wie auch das folgende abgebildete Buch, das aus Materialmangel eine Seite aus einem Buch, das vielleicht nicht mehr gebraucht wurde, als Buchdeckelüberzug erhielt.

Die Deckenfresken stammen vom österreichischen Barockmaler Paul Troger, von dem es noch in anderen Räumen Malereien zu sehen gibt.

Die Kapelle, die noch romanische Elemente aufweist hat ebenfalls eine Besonderheit aufzuweisen. Hier sind Sitzbänke vorhanden, die, wenn man sie hochklappt, eine Vorrichtung haben, die einem auch im Stehen sitzen lassen. Wir haben es ausprobiert und es klappt hervorragend. Im Stift gibt es ausserdem Gästezimmer, ein Klosterladen ist angegliedert und der Klostergarten lädt zu einem Spaziergang und zum Verweilen ein.

8 Gedanken zu „Ein Besuch im Stift Seitenstetten

    • Gerne🙂

      Es macht immer wieder Spass, einen Blick in diese altehrwürdigen Bibliotheken der Klöster zu werfen und in der Tat ist diese Bibliothek bisher die speziellste und sticht aus allen anderen heraus.

      Nächste Woche spazieren wir hier durch den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek

      Herzlich
      buechermaniac

  1. Sehr ungewöhnlich die weißen Buchrücken – und tatsächlich hellen sie den Raum extrem auf. Auch wenn ich nicht dort zur Schule hätte gehen mögen – schöne Fotos, schöner Bericht. herzliche Grüße von Mila

  2. Eine sehr schöne Bibliothek! Die weißen Buchrücken gefallen mir auch, sie geben dem ganzen wirklich etwas heiteres. Wir werden uns heute oder morgen die Universitätsbibliothek in Kopenhagen anschauen. Ich bin schon gespannt.
    Wie wird es in der Zukunft sein? Werden wir nur noch Speicherelemente haben?

    • Ich nehme an, du zeigst uns ein Bild von der Universitätsbibliothek auf deinem Blog? Alte Bücher zu digitalisieren macht auf jeden Fall Sinn, aber solch traumhaft schöne Bibliotheken müssen immer bestehen bleiben. Wäre doch schade, wenn es sie nicht mehr gäbe. Stell dir das Bild vor, du trittst in eine dieser grossen Bibliotheken, wo nur Server stehen und du rufst voller Entzückung, wenn du dich an den Rechner setzt: Oh, welch schöne und grosse Datei!😉

      • Ja, das ist eine furchtbare Vorstellung, nur Server in den Bibliotheken zu sehen!
        Leider haben wir es nicht geschafft, die Bibliothek in Kopenhagen zu besuchen. Es gibt zwei und die neue haben wir wenigstens vom Kanal von außen gesehen. Mehr morgen in meinem Blog…🙂 ich muss selber erst mal alle Erlebnisse sortieren…

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