Auf den Spuren von Hamlet

Hamlets Grab

Navigationsgeräte haben manchmal an sich, dass sie den Fahrer über seltsame Wege ans Ziel führen wollen. Sei’s drum, diesmal war das sogar okay. Meine Augen schweifen umher und bleiben an einer leicht zu übersehenden Beschilderung hängen, wo ich was von Hamlet lese, doch das Hirn transportiert die Information nicht sofort zu meinem Stimmorgan. Deshalb fährt mein Partner schon zügig an der Abzweigung vorbei, als ich endlich „Stopp“ rufe. Bitte umdrehen, ich will wissen, was dort zu sehen ist. Der Weg führt uns an einem Bauernhof vorbei, die Strasse ist gerade einmal Autobreit und dann stehen wir da vor einem mächtigen Stein:

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Dann lesen wir die Informationstafel, auf der Folgendes geschrieben steht:

„Willkommen am „Hamlets Grab“, das eigentlich ein Hügelgrab der Bronzezeit ist. Der Ortsname „Ammelhede“ tritt in einer Sage als Grabstätte des Eisenzeitkönigs Amled auf, die von dem ersten grossen dänischen Historiker Saxo um das Jahr 1200 herum, niedergeschrieben wurde. Diese Sage inspirierte Shakespeare zu seinem berühmten Schauspiel „Hamlet“. Auf diesem Hintergrund erfolgte 1933 die Errichtung des Gedenksteins auf dem Hügel. Das Gebiet birgt reiche Funde aus fast der ganzen Urzeit – u.a. eine grosse Siedlung aus der Steinzeit bei Stavnsager 1 km in südliche Richtung. Es ist deshalb nicht undenkbar, dass hier früher einmal, sehr mächtige Menschen angesiedelt waren.“

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Von diesem Platz hat man einmal mehr einen schönen Blick über das Land. Weit und breit kein Mensch zu sehen, nur Natur und Vogelgezwitscher.

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Das Hamlet-Schloss in Helsingør

Beabsichtigt war das nicht, dass wir ausgerechnet in Helsingør, auf Seeland, Station machen würden. Schon vor dem Hotel werden wir von einer Hamlet-Statue begrüsst. Unser Blick reicht über den Öresund nach Schweden und rechts von uns sehen wir das Schloss Kronborg, das Hamlet-Schloss.

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Das Schloss und Helsingør bieten eine grossartige Kulisse für die Tragödie des Prinzen Hamlet von Dänemark. Weshalb aber hat Shakespeare Kronborg für sein Stück gewählt? Der Name Kronborg wird darin nicht erwähnt, doch das Geschehen ist auf dem Schloss von Helsingør angesiedelt. Die Tragödie von Prinz Hamlet basiert auf Dänischen Quellen. Die Geschichte datiert zurück bis zu Saxos Chroniken über die Heldentaten der Dänen „Gesta Danorum“, die um 1200 niedergeschrieben und 1514 gedruckt wurden. Es ist unwahrscheinlich, dass Shakespeare diese gelesen hat. Doch die Geschichte über den Dänischen Prinzen, der den Mord an seinem Vater rächt, wurde in ganz Europa gelesen und entsprechend ausgeschmückt. Um 1590 gab der Dramatiker Thomas Kyd dem Werk den Charakter eines Rache-Dramas, das Shakespeare inspiriert haben muss, dass er 1600 „Die tragische Geschichte Hamlets; Prinz von Dänemark“ schrieb.

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Gerüchte vom neu erbauten Schloss Frederiks II. und dessen prächtige Feste, die dort stattfanden, hatten sicher auch England erreicht. Nach 1600 wurde Helsingør in der ganzen Welt bekannt, nachdem das prächtige Renaissance Schloss vollendet war. Die Festung und die eindrucksvolle königliche Residenz sollten die Macht und die Position des Königs vor Freunden und Feinden gleichermassen demonstrieren.

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Wie kam es nun dazu, dass Shakespeare von diesem Schloss gehört hatte? War er selber hier? Hat er es mit eigenen Augen gesehen? Im Stück sind viele Details des Lebens im Schloss und in der Stadt beschrieben, so dass der Eindruck entsteht, dass Shakespeare in Helsingør war. Man weiss, dass einige Schauspieler, die später zu seiner Theatertruppe stiessen, 1585 und 1586 im Schloss spielten. Ab 1590 gibt es einige Jahre in Shakespeares Leben, in denen kaum etwas über seinen Aufenthaltsort bekannt ist. Die Experten sind sich uneinig, ob Shakespeare nun tatsächlich in Helsingør war. Aber schlussendlich spielt das für uns keine Rolle.

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Festspiele im Schloss

Alljährlich im Monat August finden die Hamlet-Festspiele auf Schloss Kronborg statt, einerseits wird das Theaterstück aufgeführt und auch die Verfilmungen werden gezeigt. Über die Jahre hinweg, haben Stars dem Stück „Hamlet“ immer wieder Leben eingehaucht, wie Laurence Olivier, John Gielgud, Richard Burton, Kenneth Brannagh oder Jude Law.

Das Schloss sollte man aber nicht nur wegen Hamlet besuchen. Es lädt auch sonst zu einer Besichtigung ein, nicht zuletzt wegen der Tapisserien, der Schlosskapelle oder dem Ballsaal, der 1585 der grösste seiner Art in Nordeuropa war, er misst 62 x 12 m. Die Grösse des Baus wird einem erst bewusst, wenn man in der Anlage zu Fuss unterwegs war und die Treppen rauf und runter gestiegen ist. Ein Besuch des Schlosses und der Stadt kann ich jedem, der in der Gegend ist, wärmstens empfehlen.

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6 Gedanken zu „Auf den Spuren von Hamlet

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