Bücher zwischen Weinbergen

Was hat das Schweizer Dorf Saint-Pierre-de-Clages mit Valladolid, in Spanien, oder Kampung Buku in Malaysia zu tun? Genau, es ist eines von etwa insgesamt 31 Bücherdörfern weltweit.

Ein Bücherdorf definiert sich durch die grosse Dichte an Antiquariaten, die sich in Orten ansiedeln, an denen wirtschaftlich sonst nicht viele Alternativen bestehen. Und gerade durch die Fülle an Antiquariaten werden Besucher angelockt, die sonst wegbleiben würden. Auch das Gastgewerbe kann meistens vom Besucherstrom profitieren.

Die Schweiz hat seit 1993 ebenfalls ein Bücherdorf. Saint-Pierre-de-Clages liegt im französischen Teil des Wallis, nur wenige Meter von der Hauptstrasse entfernt und mitten in den Rebbergen. Dieses Dorf haben wir besucht. Es hat etwas mehr als 500 Einwohner, die hauptsächlich im Weinanbau und im Tourismus tätig sind.

Wir hatten den richtigen Tag ausgewählt. Es war Donnerstag und einige Antiquariate waren geöffnet. Eines der Antiquariate befindet sich gleich am Dorfplatz und trägt den schönen Namen „La plume voyageuse“.

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Die Inhaberin, Anne-Laure Berrut, ist eine weitgereiste Frau, und viele Bücher, die sie in ihrem Laden anbietet, hat sie von ihren Reisen in ferne Länder mitgebracht. Viele stammen aus ihrem Privatbestand. Ihr Mann war froh, als es endlich wieder mehr Platz im Wohnhaus gab. Es ist wohl kein Geheimnis, dass dies nur vorübergehend der Fall war, denn Madame Berrut kauft auch immer wieder Bücher hinzu.

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Der Grossteil des Buchbestandes ist in französischer Sprache, aber es gibt auch deutschsprachige Bücher zu kaufen. Madame Berrut hat ein grosses Wissen und gestaltet die Schaufenster alle zwei Monate nach einem neuen Thema um. Als wir vor Ort waren, passte das Thema „ils ont aimé le Valais“ (sie haben das Wallis geliebt) ausgezeichnet zu unserem Aufenthalt in diesem schönen Kanton. Ein Plakat mit bekannten und unbekannten Persönlichkeiten, die im Wallis gelebt oder sich vorübergehend dort aufgehalten haben, war im Schaufenster ausgehängt.

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Die Namen der abgebildeten Autoren und Künstler, ein Feldherr und Kaiser ist auch dabei, sollten erraten werden und als Preis lockte ein Büchergutschein. Die meisten abgebildeten Gesichter waren mir auf den ersten Blick, abgesehen von Goethe, unbekannt, deshalb verzichtete ich auf die Teilnahme am Wettbewerb. Die Antiquarin gab grosszügig über die Personen Auskunft und hatte das eine oder andere Buch auch gleich zur Hand, sei das aus der Sparte Belletristik oder aus der Malerei. Mit Begeisterung erzählte sie, gab Informationen weiter und zog uns in ihren Bann. Sie schwärmte von einem Dorf im Val d’Anniviers, wo wir sowieso hinwollten und im Gespräch erfuhren wir schliesslich, dass Edmond Bille, der Vater der Schriftstellerin S. Corinna Bille, die Fresken in der Kirche von Chamoson gemalt hatte, einem Dorf, das in wenigen Minuten zu erreichen ist. Die Neugierde war geweckt, deshalb fuhren wir anschliessend dorthin.

Madame Berrut beklagte sich über Besucher, die das Gefühl hätten, sie könnten im Laden um den Preis eines Buches feilschen, wie auf dem Bazar. Die Ladenmiete muss bezahlt, die Bücher müssen beschafft werden und so wolle sie diejenige sein, die das Angebot mache, wenn sie ein Buch günstiger als angeschrieben hergeben wolle.

Jedes Jahr, am letzten Wochenende im August, findet das dreitägige Bücherfest statt, an das bis zu 15‘000 Besucher pilgern, um an den vielen Antiquariats-Tischen und in den örtlichen Läden zu stöbern und ihrer Leidenschaft zu frönen.

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Schlendert man durch die Seitengassen, kommt man an weiteren Antiquariaten vorbei und man sollte bei all den Büchern nicht verpassen, auch einen Blick in die romanische Kirche zu werfen, die im 11. Jahrhundert erbaut wurde und mit ihrem achteckigen Turm einzigartig in der Schweiz ist. Aber Achtung: es führt eine Treppe in den Kirchenraum hinunter, worauf freundlicherweise auf einer Tafel an der Tür hingewiesen wird, sonst könnte es gut sein, dass man in die Kirche reinstürzt.

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Der Abstecher ins Bücherdorf hat sich gelohnt, wir haben eine interessante Frau kennengelernt, die begeistern kann und ihren Laden mit viel Herz führt, haben zwei einzigartige Kirchen besucht und sind dabei an einem sonnigen Tag mitten durch die Rebberge gefahren.

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14 Gedanken zu „Bücher zwischen Weinbergen

  1. Liebe buechermaniac,
    das ist ja mal ein schöner Artikel über ein tolles Thema. Bücherdörfer finde ich eine klasse Idee, leider habe ich es noch nicht geschafft, eines zu besuchen, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Jedenfalls hat mir Dein Bericht sehr gefallen, danke dafür und einen schönen Gruss von Kai

    • Lieber Kai

      Das freut mich sehr, dass dir mein Bericht über das Bücherdorf gefallen hat. Es war auch das erste, das ich besucht habe. Es bot sich einfach an, weil wir dort vorbei kamen. In Deutschland gibt es ja auch Bücherdörfer. Vielleicht kannst du auf einem Ausflug eines besuchen.

      Herzliche Grüsse
      buechermaniac

  2. Ein sehr schöner Artikel. Er erinnert mich daran, dass ich, die ich selbst seit meinem Umzug vor einigen Monaten im Bücherdorf Müllenbach im Oberbergischen Kreis wohne, darüber auch mal schreiben wollte … Herzliche Grüße, Ingrid

    • Das ist ja toll, dass du in einem der deutschen Bücherdörfer wohnst, liebe Ingrid. Da bist du ja an der Quelle für weitere Buchperlen.
      Ich würde mich sehr freuen, wenn ich bei dir über Müllenbach lesen könnte🙂

      Liebe Grüsse
      buechermaniac

    • Das solltest du vielleicht tun, liebe Petra. Zwei Bücherdörfer gibt es ja auch in Deutschland und natürlich auch in Frankreich. Vielleicht kommst du in einem von diesen mal auf einer Reise vorbei.

      Liebe Grüsse
      buechermaniac

  3. Eine wunderbare Vorstellung von einem Bücherdorf! Am Rande von dem Lake District gibt es auch ein Bücherdorf, aber nicht annähernd so schön wie dieser.
    Liebe Grüße zu dir aus England
    Dina

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