Very british

Foto © lesewelle

Der Juni ist auf Arte TV der absolute Schwerpunkt. Gründe dafür gibt es genügend, wie das 60-jährige Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. oder die olympischen Sommerspiele Ende Juli 2012.

Hier eine kleine Auswahl:

„Die kulinarischen Abenteuer der Sarah Wiener in Grossbritannien“
ab Montag, 11.06.2012 um 19.30 Uhr in zehn Folgen

Sarah Wiener ist wieder auf kulinarischer Reise, auf die Isle of Man oder auch ins schöne Dorset. Sie lässt sich in die britische Küche einführen, seien das Fish und Chips oder Yorkshire-Pudding, ein echtes englisches Picknick zusammenstellen usw. Es weiss ein jeder, dass der Fisch zuerst gefangen oder ein Moorhuhn auf der Jagd geschossen werden muss.

Sonntag, 10.06.2012, um 20.15 Uhr

„Die Queen“
mit Helen Mirren, Regie: Stephen Frears (2006)

„Wegen der zurückhaltenden Reaktion Elizabeth II. auf den Tod ihrer Schwiegertochter Diana wendet sich die Öffentlichkeit von der Queen ab. Stephen Frears zeigt das Menschliche inter der Etikette.“

Auch Miss Marple, die berühmte Krimifigur aus den Büchern von Agatha Christie, darf nicht fehlen.

Sonntag, 17.06.2012, Themenabend „Miss Marple“

20.15 Uhr der Spielfilm „16.50 ab Paddington“,

21.40 Uhr „Die wahre Miss Marple“, Kulturdoku

und noch einmal etwas für Jane Austen-Anhänger:

ab Donnerstag, 07.06.2012, um 20.15 Uhr

„Stolz und Vorurteil“, die 6-teilige Serie

oder die Dokureihe

Samstag, 09.06.2012, „Beste Feinde“

20.15 Uhr „Der ewige Streit“
21.10 Uhr „Die Bewunderung des anderen“

Die Historikerin Lisa Hilton, die in Frankreich und England gelebt hat, vermittelt einen Einblick auf das Verhältnis zwischen den beiden Ländern.

Es gibt auch noch vieles in der Sparte Politik, Architektur und Musik zu entdecken.

„Gelobtes Land“ und andere Filmperlen

Was hat Arte TV für den Zuschauer im April Interessantes im Programm?
Einmal mehr dürfen sich Fans von Sandrine Bonnaire freuen:
„Intime Fremde“ (Originaltitel Confidences trop intimes) Spielfilm 2003, Frankreich Montag, 2. April 2012, um 20.15 Uhr
Regie: Patrice Leconte / Darsteller: Sandrine Bonnaire, Fabrice Luchini, Anne Brochet, Michel Duchaussoy
Was passiert, wenn eine Frau zu einer Sitzung zum Psychiater eilt und sich in der Tür irrt und die intimsten Geheimnisse stattdessen einem Finanzberater anvertraut?
Hunger (Spielfilm, 2008, Grossbritannien), Mittwoch, 04.04.2012, um 23.20 UhrRegie: Steve McQueen / Darsteller: Michael Fassbender, Liam Cunningham, Stuart Graham
Maze Prison, in Nordirland 1981: Schmutz, Urin und Kot sind in diesem Gefängnis nicht mehr zu ertragen. Die IRA-Häftlinge treten deshalb  in den „No Wash“-Protest. Ein Hungerstreik bricht aus, der nach 65 Tagen das erste Todesopfer fordert.
Michael Fassbender hat für die Rolle des Bobby Sands 20 Kilo abgespeckt, damit er glaubwürdig wirk. Ein aufwühlender Film und nicht für schwache Gemüter. Kein Wunder, wird er zu später Stunde ausgestrahlt.
Wild und schön, 10-teilige Doku-Serie, ab 09.04.2012, um 19.30 Uhr
Es geht in diesen Folgen in zehn verschiedene Regionen Frankreichs. Sprecherin ist die Schauspielerin Senta Berger. Dabei geht es vor allem um die Natur mit ihrer Flora und Fauna. Den Anfang macht die Bretagne.
„Gelobtes Land“ (Originaltitel „The Promise“) 4-teiliger Fernsehfilm, ab Freitag, 20.04.2012, um 20.15 Uhr
Acht Jahre lang hat der britische Regisseur Peter Kosminsky für diesen Film recherchiert. Er hat zusammen mit Historikern die Orte in Nahost besucht. Der Film wurde an Originalschauplätzen gedreht und der Filmemacher bestand darauf, dass alle jüdischen Rollen von jüdischen Schauspielern übernommen werden, das gleiche galt für die arabischen Rollen.
Die 18-jährige Erin begleitet ihre beste Freundin Eliza zu deren jüdischen Familie in Tel Aviv. Sie wird herzlich aufgenommen und fühlt sich wie im Paradies. Als das Mädchen bei einem Selbstmordattentat beinahe geötet wird, ist sie mitten im Nahostkonflikt angelangt.
Im Gepäck hat Erin auch das Tagebuch ihres Grossvaters, dem die zweite Geschichte gewidmet ist und sich mit dessen Vergangenheit beschäftigt, als er als britischer Soldat von 1945 bis 1948 in Palästina stationiert war.
Wer den Nahost-Konflikt besser verstehen will, dem lege ich diese Fernsehserie ans Herz, die grosse Diskussionen in England auslöste. Man darf gespannt sein.
 
 

Die Welt neu entdecken mit einer blinden Journalistin

Wieder einmal schenkt ARTE dem Fernsehzuschauer ein sehr spezielles Seherlebnis, das mich bereits nach der ersten Folge, die ich mir angesehen habe, begeistert.

Darf ich vorstellen: Sophie Massieu, 36 Jahre alt, aus Frankreich, blind seit ihrer Geburt, Journalistin. In 40 30-minütigen Sendungen zeigt sie uns Sehenden die Welt, wie sie sie erlebt. Bis zum 27. April kann man Sophie auf ihren Reisen rund um den Globus begleiten. Diese Woche wurden Beiträge von den Kanarischen Inseln, aus New York und Irland ausgestrahlt. Heute Abend ist die blinde Weltenbummlerin in Ungarn unterwegs, immer an ihrer Seite, der treue Blindenhund Pongo, ein Dalmatiner.

Ich habe Sophie Massieu nach British Columbia begleitet, unter anderem war sie beim „Whale Watching“! Sie hat die Wale mit dem Sonargerät belauscht und wenn die Killerwale kurz aus dem Wasser auftauchten und mit ihren Schwanzflossen auf das Wasser platschten, gehört. In einer Lachszucht hat sie mitgeholfen, die Fische zu füttern und gespürt, wie die kleinen Fische an ihren Fingern knabberten, als sie mit der Hand übers Wasser strich. Im Kanu ist sie mitgepaddelt und liess sich den letzten Urwald in British Columbia zeigen, legte ihre Arme um einen 400-jährigen Baum und liess sich erklären, wie hoch der alte Riese ist oder sie befühlte das Blatt eines Riesenahorn.

Es ist wunderbar mit dieser Frau, vom Sofa aus, durch die Welt zu reisen und die Dinge durch sie ganz anders und neu zu erleben und Entdecker zu werden. Manchmal gerät man gar ins Schmunzeln, wenn ihre sehenden Begleiter in eine Richtung zeigen und ganz selbstverständlich „look“ rufen oder ihr von weitem schon zuwinken, wenn Sophie mit Pongo im Anmarsch ist. Es ist nicht so, als müsste man die Journalistin anders behandeln als einen sehenden Gesprächspartner. Hin und wieder muss man sie am Arm führen, wenn sie ihren Hund irgendwo zurücklassen muss. Leicht könnte einer vergessen, dass Sophie blind ist, im wahrsten Sinne des Wortes ist sie mit Leib und Seele bei der Sache. Diese wissenshungrige Frau begeistert und hat mir ein Lächeln ins Gesicht gezaubert.

Ganz grosse Klasse!

Auf ARTE, Montag – Freitag, 17.30 Uhr „Was du nicht siehst“

Durch die Provinzen Frankreichs

Lourmarin (Provence) © lesewelle

Für alle Frankreich-Fans und die, die es noch werden wollen läuft zur Zeit auf Arte TV täglich um 19.30 Uhr die Dokumentarserie „Belle France“. Jeden Tag wird eine andere Provinz vorgestellt, von der Camargue über die Pyrenäen zur Bretagne, der Normandie etc.

Gestern ging die Reise ins „Centre“. Die Bilder sind atemberaubend und die Landschaften werden häufig aus der Luft gefilmt, so dass man von Frankreich ein Bild bekommt, wie man es nie sehen würde, kriecht man über die Strassen. Die grossartigen Schlösser zum Beispiel werden gezeigt, mit ihren prächtigen Gartenanlagen und Parks, die Muster haben wie aus persischen Teppichen geschnitten und ihresgleichen suchen. Die Farben der Loire, Kornfelder und Äcker, eingesäumt von Hecken und Bäumen, Schluchten, so tief wie der Grand Canyon und rote Felsen, aussergewöhnliche Menschen, vom Baumkletterer, über den Töpfer, der nach koreanischem Prinzip seine Teezeremonien abhält, Keramiker, Gemüsegärtner, Künstler, Schafhirten usw., werden vorgestellt und kurz porträtiert.

Das Kamerateam hat wirklich fantastische Bilder eingefangen, die direkt ins Wohnzimmer flimmern und einmal mehr Lust verbreiten, gleich die Koffer zu packen und quer durch dieses abwechslungsreiche Land zu fahren und auf Entdeckungstour zu gehen. Man könnte so noch ewig nur ins Nachbarland verreisen.

Wer die Sendungen verpasst hat, kann auch vorherige Folgen um 18.25 Uhr anschauen, heute sind die „Midi-Pyrénées“ an der Reihe oder direkt im Internet durch die Folgen klicken. Ich kann euch versichern, es lohnt sich.

Zur Schule gehen in Ladakh

Vor einiger Zeit habe ich über „Biblioburro“ berichtet. Bei jenem Projekt geht es darum, auch in abgelegene Gegenden Kolumbiens der Bevölkerung Bücher zugänglich zu machen. Gestern durfte ich im warmen Wohnzimmer sitzen und habe über eine unglaubliche Reise in einem Dokumentarfilm aus Ladakh gestaunt: „Das Land hinter dem Eis“ von Anne und Erik Lapied.

Was hier die Eltern, auf der Reise sind es die Väter und Onkel, für ihre Kinder anstrengen, damit diese überhaupt eine Schule besuchen können, man fasst es kaum, wenn man diesen einzigartigen Film nicht gesehen hätte.

Alle Jahre vor Schulanfang begeben sich diese Menschen auf einen gefährlichen und strapaziösen Fussmarsch, der seinesgleichen sucht. 90 Kilometer zu Fuss, fünf Tage hin und fünf Tage zurück geht die Reise über den zugefrorenen Fluss Chadar von Zanskar zur Provinzhauptstadt Leh. Dort wo das Eis zu brüchig oder sogar aufgebrochen ist, werden Kletterpartien über zum Teil bröckelige Felsen in Kauf genommen. Das jüngste Kind war gerade einmal fünf Jahre alt. Ist die Reise auch noch so anstrengend, es wird trotzdem noch gelacht und gesungen. Geschlafen wird in der eisigen Kälte draussen und in Höhlen. Die Männer tragen ausgemusterte Armeestiefel des indischen Militärs, meist sind diese zu gross und völlig ausgetreten. Wenn es sein muss, wird auch mal durch das -2 Grad kalte Wasser, ohne Strümpfe und Schuhe gewatet und dabei werden die Kinder auf den Rücken genommen.

Ich konnte kaum glauben, welche Bilder mir da entgegengeflimmert sind. Wenn ich solche Bilder sehe, dann wird mir immer wieder bewusst, wie gut es die Menschen hier haben, wo Bescheidenheit, Zufriedenheit und Demut ein seltenes Gut geworden ist.

Wer sich einige Fotos anschauen möchte, der klicke auf die Website von Anne, Véronique und Erik Lapied hier