Ich packe meinen Bücher-Koffer

BücherDas erste Mal seit langem habe ich keine Lektüre, die mit unserem Reiseziel zusammenhängt eingepackt. Natürlich gäbe es da viele Biographien über einen Mann, der gerne seine Hand in seine Weste steckte und fürchterliche Feldzüge durch Europa unternahm. Jedoch, ich will so was im Urlaub nicht lesen. Nur wenig Literatur gibt es von Schriftstellern die etwas mit der „Insel der Schönheit“  zu tun haben. Mit einigen Passagen ist mir auch nicht gedient, so lass ich es lieber bleiben.

So packe ich denn einfach mal wild drauflos andere Romane in meinen Koffer, obwohl ich gerade im Urlaub oft nicht zum Lesen komme, da es viel zu viele Eindrücke in meinem Reisetagebuch zu verarbeiten gibt – wir werden sehen.

Auf alle Fälle, freue ich mich auf die Auszeit auf einer Insel, wo es bestimmt keinen Moment langweilig wird!

 

 

Bild am Samstag

Der Wald als sportliches Betätigungsfeld
in leichten Joggingschuhen vorbeigeeilt
den Blick stur auf den Weg fixiert
Lieblingssound im Ohr

kein Gruss für den Wanderer
kein Auge für die Schönheiten der Natur
kein Gehör für den fröhlichen Frühlingsgesang
der Vögel

Oh Mensch, wo treibst du hin?

im Wald

heute Morgen im Wald Ohren und Augen erfreut

Gedankenautobahn

Gelbe Teppiche, Raps und Löwenzahn, violetter Flieder, oranger Rhododendron – weisse Pompons, Apfel- Birn- und Kirschbäume – knorrige Bergtannen, zartgrüne Buchen – Autobahn, schmale Landstrassen, kurvenreiche Wege – Jogger, Wanderer, Fahrrad- und Motorradfahrer, Oldtimer – langgezogene Dörfer, menschenleere Dörfer, schöne und hässliche Dörfer – Hügel auf und ab, Schluchten, flaches, weites Land – einsame, abgelegene, stattliche, verwahrloste, verlassene, umgebaute Bauernhöfe – wilde, romantische, tiefe Täler – kantons- und  länderübergreifend – willkommen im Aargau, Baselbiet, Solothurn und wieder Aargau, Jura – département du Haut-Rhin, bienvenue en France – kleine Kapelle, alte Kirchen, Kloster – Restaurant Le Moulin fermé, wir haben eine grosse Terrasse – frisches und noch warmes Holzofenbrot, Salatteller, Kaffee, altes Fritieröl, Alpkäse zu verkaufen – Mosterei, Brauerei – Burgruine, Château – mäandernde Bäche, Aare, Rhein, Allaine – hässliche Industriebauten, öde Einkaufscenter, stolze Villen, langweilige 08-15 Einfamilienhäuser, Zersiedelung wie Krebsgeschwür, einsam stehende alte Häuser mit Charakter – Pferde, Wollschweine, Ziegen und Schafe, glückliche Kühe auf saftigen Wiesen, traurige Kälber in betonierten und dreckigen Laufställen – Picknick vor altem VW-Bus, Fotografen auf Motivjagd – weisse Segelflieger, rote Gleitschirmflieger und kreisende Milane –

ein Ausflug auf dem Motorrad

Fahrt in den Frühling_1

Fahrt in den Frühling_2

Fahrt in den Frühling_3

Fahrt in den Frühling_4

Rilkes Sonnenplätzchen

Rainer Maria Rilke muss ich an dieser Stelle wohl kaum mehr vorstellen, wer mehr über ihn erfahren möchte, der kann auch hier Informationen über ihn lesen und jene Leser, die Lyrik mögen, kennen sicher auch einige seiner Gedichte.

Nach dem Ersten Weltkrieg zog es Rilke von München in die Schweiz, unter anderem hielt er sich in der Südschweiz im Tessin (Locarno) und im Bergell, in Soglio, auf und für eine Weile war er auch Gast im Schloss Berg, in Berg am Irchel (Kanton Zürich).

Schloss Berg - Vorderansicht

Schloss Berg – Vorderansicht

Schloss Berg

Schloss Berg

Seinen letzten Wohnort hatte er im französischsprachigen Teil des Wallis, auf Château de Muzot, in der Nähe von Sierre gelegen. Seine letzte Ruhestätte, die er sich zu Lebzeiten selbst ausgesucht hatte, befindet sich in Raron auf dem Burghügel, obwohl er nie dort gelebt hat.

Lässt man die Hauptverkehrsachse, die sich durch das Rhonetal zieht, hinter sich, kommt man in den alten historischen Teil der Ortschaft, den man sich schon genauer ansehen sollte. Verschlafen liegt er da und wartet auf Besucher, die den Weg hierher finden. Der älteste Briefkasten der Schweiz befindet sich hier, der noch aus napoleonischen Zeit stammt, als Raron zum französischen Kaiserreich gehörte. Dem Südhang entlang können schöne Wanderungen gemacht werden, die auch durch die Rebberge führen.

Maxenhaus mit dem ältesten Briefkasten der Schweiz

Maxenhaus mit dem ältesten Briefkasten der Schweiz

Einige Schritte weiter führt eine gerade mal autobreite Strasse zwischen den sonnenverwöhnten Häusern zur Burgkirche (seit 1512) hoch.

Raron

Raron_1

Daneben liegt das Pfarrhaus aus dem 16. Jahrhundert, in dem ein Museum mit einer Ausstellung zur Familie von Roten, einer Aristokraten-Familie aus dem Ort (vor allem Iris von Roten ist in der Schweiz als Frauenrechtlerin ein Begriff) und leider nur wenig über Rilke untergebracht ist. Wer mehr von Rilke sehen will muss nach Sierre, zur Stiftung Rilke pilgern. Daneben befindet sich der Museums-Shop, in dem es u.a. Bücher zu den von Rotens und Rilke zu kaufen gibt. Die einzige Angestellte gibt freundlich und bereitwillig Auskunft und hat auch einige Anekdoten über Besucher auf Lager, die uns schmunzeln lassen. Im Winter ist das Museum geschlossen, da sich kaum jemand hierher verirrt.

Rilkes Grab_3

Auch ein Blick in die Kirche lohnt sich.

Burgkirche

Spaziert man um die Kirch herum auf die Südseite, liegt Rilkes Grab vor einem. Nicht nur zu Lebzeiten hat er sich die sonnigsten Orte zum Verweilen ausgesucht, auch sein Grab, abgelegen vom eigentlichen Friedhof, ist ein Ort der Ruhe und ein absolutes Sonnenplätzchen.

Rilkes Grab_1

Rilkes Grab