Jahresrückblick 2012

buchsaiten

Bald ist das Jahr 2012 Vergangenheit und es ist Zeit, einen literarischen Rückblick auf die vergangenen Monate zu werfen. Wie schon letztes Jahr hat BuchSaiten zur Blogparade aufgerufen und stellt folgende Fragen, auf die ich hier gerne eingehe:

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Das gibt es auch in diesem Jahr nicht wirklich. Vielleicht am ehesten noch „Die Donnerstagswitwen“ von Claudia Piñeiro. Der Titel klang für mich im ersten Moment etwas seicht. Der Roman entpuppte sich dann als spannend und gesellschaftskritisch.

Die Donnerstagswitwen

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Keines der gelesenen Bücher hat mich negativ überrascht.

Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Da gibt es eigentlich mehrere Neuentdeckungen für mich. Sehr beeindruckt hat mich „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka. Sie schrieb die Geschichte der japanischen picture brides, in dem sie die kollektive Erzählweise wählte. Das war einzigartig und grossartig zugleich. Ein wunderschönes, trauriges und berührendes Buch hat auch Nathacha Appanah mit „Der letzte Bruder“ geschrieben. Beide Autorinnen habe ich zuvor nicht gekannt und waren eine echte Entdeckung und Bereicherung.

Der letzte Bruder          Wovon wir träumten

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Von allen gelesenen Büchern gefällt mir das Cover  „Wovon wir träumten“ optisch am besten. Die zarten Blüten in Rosé passen zwar zu Japan, auf der anderen Seite sind sie viel zu zart und wiederspiegeln in keinster Weise die Tragödie, um die es in diesem grossartigen Buch geht.

Welches Buch wollt ihr unbedingt 2013 lesen und warum?

Ich möchte endlich den Roman von Daniela Krien „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ lesen, da ich nur Gutes darüber gehört habe und das Buch auf meinem SuB bereitliegt. Dann sind da noch drei Romane, die auf der Short List für den „Schweizer Buchpreis“ standen und ebenfalls darauf warten, von mir gelesen zu werden, nämlich Sibylle Berg „Vielen Dank für das Leben“, Ursula Fricker „Ausser sich“, Thomas Meyer „Wolkenbruchs Reise in die Arme einer Schickse“.

Und welche Bücher habt ihr in diesem Jahr für euch entdeckt und was möchtet ihr 2013 unbedingt noch lesen?

Unser Lesezirkel

Über Bücher kann man auch wunderbar vor der Sportstunde diskutieren. Das geschah immer mal wieder, wenn meine Freundin auf dem gleichen Zug war wie ich, und wir so noch genügend Zeit hatten, um über aktuelle Lektüre zu diskutieren. Als eine Gruppenteilnehmerin mitbekam, dass wir so Literaturangefressen waren, erwähnte sie, dass sie schon in einer Lesegruppe mitgemacht habe. Allerdings existierte diese Gruppe nicht mehr. So entstand die Idee, wir könnten doch selber einen Literaturtreff ins Leben rufen und verabredeten uns mit ihr und zwei weiteren Freundinnen. Wir wollten uns erst einmal kennenlernen, sozusagen beschnuppern, und besprachen bei einem gemeinsamen Essen wie wir uns das in etwa vorstellten.

Schon beim ersten Treffen wählten wir ein Buch aus, das wir dann bei einer der Teilnehmerinnen, in einigen Wochen, diskutieren wollten: Friedrich Glauser „Gourrama“.

Der Lesezirkel war geboren. Der Termin wurde auf Mitte der Woche festgelegt – eine schöne Wochenteilung. Es kamen im Laufe der Zeit nochmals zwei Mitglieder hinzu, dann noch eine Interessierte, wieder Abgänge, weil die Chemie nicht mehr gestimmt hat. Und gerade hat sich die Zahl wieder bei sieben Mitgliedern eingependelt.

Reihum finden die Treffen bei einem Mitglied zu Hause statt, es wird zuerst getratscht und kleine Köstlichkeiten werden gereicht. Ein Glas Wein darf nicht fehlen und, es ist kein Muss, ein einfaches Essen gibt es auch – im Winter eine leckere Suppe oder einen Eintopf, im Sommer Salate oder sonst etwas Leichtes. Die Literatur, die soll natürlich nicht zu kurz kommen; die Lektüre wird diskutiert, manchmal knüpft man Fäden zum richtigen Leben und schliesslich stellt der Gastgeber vier, fünf Romane vor. Es wird nach einem Punktesystem abgestimmt und der Titel, der am meisten Punkte erhalten hat, wird gelesen.

So sind im Laufe der Jahre etwa siebzig Titel von uns gelesen worden, von den einen auch noch gleich die anderen Vorschläge, weil der Inhalt interessant und spannend beschrieben wurde, die Neugierde geweckt war. Bücher werden rege ausgetauscht und so ist man schon über Autoren gestolpert, die schliesslich zu den Lieblingen geworden sind, wie bei mir die grossartige Irène Némirovsky, von der ich im Laufe der Jahre so viel gelesen habe. Jedes Mal führen wir auch Protokoll. Da kann jede nochmals alles in Ruhe nachlesen, was besprochen, vorgeschlagen, ausgewählt wurde. Zusatzin-formationen, Zeitungsberichte, Termine, auch mal ein Gedicht zum Abschluss, werden mitgeliefert.

Vor einigen Wochen hatte ich meine alten Terminkalender in den Händen und bin auf den Termin unseres ersten Treffens gestossen, dabei stellte ich fest, dass es just in diesem Monat zehn Jahre geworden sind – ein Jubiläum!

Das war Anlass für mich, um mir etwas einfallen zu lassen. Als ich wieder einmal ins Antiquariat im Ort ging, da stiess ich schon vor dem Laden auf zwei Romane, die erst letztes Jahr erschienen sind. Da dachte ich mir, ich schenke jedem ein gut erhaltenes antiquarisches Buch. Ich wurde sehr schnell fündig. Zusätzlich kreierte ich für jedes Buch ein Geschenkpapier, darauf sollte der Autor zu sehen sein, sein Land und ein Bild, passend zum Roman. Ich suchte nach Literatur-Zitaten und stellte noch für jeden ein Lesezeichen her.

Als mir eine Kollegin beim letzten Treffen gleich ein passendes Stichwort lieferte, war bald mein Moment für die Überraschung gekommen. Sie hatte „Sturmhöhe“ im Kino gesehen und wollte sich auch das Buch von Emily Brontë kaufen. Welch ein Zufall, genau das hatte ich als Geschenk mit dabei!

Bei einem literarischen Quiz, mussten die Teilnehmerinnen irgendetwas zum Buch erraten, sei es Heimatland des Autors, den Titel selbst oder den Namen des Schriftstellers. Alle hatten ihren Spass beim Raten und ihre Freude über das Geschenk war gross – meine Überraschung gelungen. So fanden Bücher von Stewart O’Nan „Emily, allein“, Paula McLaine „Madame Hemingway“, Zsuzsa Bánk „Heissester Sommer“, Tschingis Aitmatow „Eine Kindheit in Kirgisien“, Doris Knecht „Gruber geht“ und Emily Brontë „Sturmhöhe“ ein neues Zuhause.

Und ich, ich fuhr nach dem Lesezirkel mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause.

Offener Brief an Gabriel García Márquez

Da lese ich dieser Tage in der Zeitung, dass Sie an dieser fürchterlichen Krankheit leiden, die jede Familie ereilen kann – Demenz. Sie machte auch nicht vor Ihnen halt. Und deswegen dürfen wir auch keine neuen Werke mehr von Ihnen erwarten, was mich sehr traurig macht.

Ich bin sehr froh, dass Sie Ihr Jurastudium nicht beendet haben, um Anwalt zu werden. Unter Umständen wäre die Literaturwelt um einige Meisterwerke ärmer. Statt der Juristerei haben Sie sich für Poesie und Literatur interessiert und unter anderem haben Sie sich mit den Werken von Ernest Hemingway und William Faulkner beschäftigt. Das kann ich nur allzu gut nachvollziehen, denn die Bücher dieser zwei Autoren sind auch stark in meinem Bücherregal vertreten. Ich könnte eigentlich alle nebeneinander auf das gleiche Bord stellen. Wäre interessant zu hören, was der Farmer Anse (Faulkner) mit dem alten Mann (Hemingway) und dem Schiffbrüchigen (García Márquez) so zu bereden hätten. Mit Haifischen haben zwei von den Teilnehmern ja Erfahrung, mit Wasser sogar alle drei.

Ich kam als junge Frau erstmals mit einem ihrer Bücher in Berührung. Ich erinnere mich sehr gut, welches Werk ich als erstes von Ihnen gelesen habe: „Bericht eines Schiffbrüchigen“. Ein packendes Buch, das ich kaum aus den Händen legen konnte. Es zeugt von höchster Schreibkunst, wenn man einen Leser an die Lektüre fesseln kann, mit nur gerade einem Protagonisten, ein wahres Kammerspiel. Eindrücklich haben Sie nach der Rettung eines Matrosen, der tagelang auf einem Floss im Ozean trieb, dessen Erzählung zu Papier gebracht. Mit diesem Bericht hatten sie mich bereits in der Tasche.

Dann las ich „Hundert Jahre Einsamkeit“. Die Familiengeschichte der Buendias in Macondo wurde Weltliteratur. Dafür haben Sie zu Recht 1982 den Nobelpreis für Literatur erhalten. Auch für Politik haben Sie sich interessiert und sich auch rege engagiert. Sie wurden sogar ein guter Freund von Fidel Castro. Dass Sie als Journalist gearbeitet haben, kommt in der Reportage „Das Abenteuer des Miguel Littín“ zum Audruck. Denn zuerst haben Sie den Exilchilenen Miguel Littín eine Woche lang interviewt, bevor sie das Buch, über dessen heimliche Filmaufnahmen in seiner Heimat Chile während der Pinochet-Diktatur, geschrieben haben. Etliche Ihrer Romane dienten als Filmvorlage, so auch „Chronik eines angekündigten Todes“ mit Rupert Everett, Ornella Muti und Irena Papas. Allerdings hat mir die Verfilmung nicht ganz so gut gefallen wie das Buch. „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ fand ebenfalls einen Regisseur und wurde mit Javier Bardem in der Hauptrolle verfilmt. Und ich muss Ihnen etwas gestehen. Ausgerechnet diesen Roman habe ich nicht gelesen, obwohl es zu den bedeutendsten Werken des 20. Jahrhunderts gehört. Entschuldigung – ich werde das noch nachholen.

Da Sie auch viele Erzählungen geschrieben haben, liess ich mir von Jan Josef Liefers „Das Leichenbegräbnis der Grossen Mama“ als Hörbuch vortragen. Für mich sind und bleiben Sie der Erzähler ganz grosser Geschichten. Südamerika bietet sich ja förmlich an für spannende Momente und intensive Gefühle. Man kann förmlich ertrinken zwischen den Buchseiten Ihrer Werke. Ihre Freunde nennen Sie Gabo. Für mich sind Sie ebenfalls ein guter Freund geworden, denn viele Stunden in meinem Leben haben Sie mich mit Ihren Büchern verzaubert.

Wenn ich könnte wie ich wollte, würde ich Sie, zusammen mit Ihrem ägyptischen Schriftsteller-Kollegen Nagib Machfus, den ich ebenfalls sehr verehre, an meinen Tisch einladen, um mit Ihnen beiden über Gott und die Welt zu plaudern und um weiteren Erzählungen zu lauschen. Aber eben ….

Ich wünsche Ihnen von Herzen alles Gute und ich danke Ihnen für all die schönen Lesemomente, die Sie mir und Millionen Lesern auf dieser Welt mit Ihren Werken beschert haben.

Ihre buechermaniac

Ich packe einen Reisebücherkoffer

…. für Phileas Blog, auf dem Petra erneut ein spannendes Projekt gestartet hat mit dem Bücherkoffer für Reiseliteratur. Ein herzliches Dankeschön an Petra, die die Superidee mit der Reiseliteratur hatte, und dass ich mitmachen durfte. Es hat grossen Spass gemacht 🙂

Wer den Artikel lesen möchte, der klicke hier

Jahresrückblick 2011

Bald ist das Jahr vorüber, mein erstes knappe Halbjahr als Literaturbloggerin auch. BuchSaiten lädt zur Blogparade No. 3 ein und da mache ich doch gerne einmal mit. Hier sind ihre Fragen, an denen ich herumsinniert habe und somit nochmals das Buchjahr vor dem inneren Auge Revue passieren lasse. Es war ganz allgemein ein schönes und spannendes Literaturjahr und deshalb bin ich sehr neugierig, was 2012 bringen wird.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir wenig versprochen habe, das mich dann aber positiv überrascht hat?

Das ist eine schwierige Frage. Denn ich hatte dieses Jahr gar kein so schlechtes Gespür, sei es, weil ich schöne Empfehlungen in anderen Literaturblogs gefunden habe (deshalb grossen Dank an all die wunderbaren BloggerInnen!), das vorgeschlagene Buch des Leszirkels toll oder mein eigener Riecher gut war. Aber am meisten überrascht hat mich dann sicher „Die Entdeckung der Currywurst“ von Uwe Timm. Was erwartet man von solch einem Titel? Die Gechichte dahinter war dann sehr viel tiefsinniger und gibt eine der vielen Frauen eine Stimme, ein Gesicht, die während des 2. Weltkrieges die Familien ernährt und zusammengehalten haben, wenn es die Männer nicht konnten.

Welches war das Buch in diesem Jahr, von dem ich mir viel versprochen habe, das mich dann aber negativ überrascht hat?

Negative Überraschung ist vielleicht etwas übertrieben, eher am wenigsten geschätzt habe ich Miriam Toews: Kleiner Vogel, klopfendes Herz
Da bin ich teilweise aber selber schuld, denn ich hätte den Klappentext aufmerksamer lesen sollen. Ich bin davon ausgegangen, dass die Handlung in Kanada angesiedelt ist, war sie aber nicht wirklich. Zudem hat mich der Inhalt nicht ganz überzeugt.


Welches war eure persönliche Autoren-Neuentdeckung in diesem Jahr und warum?

Ich habe mehrere Autoren und Autorinnen entdeckt. Da gehören auf jeden Fall der Schweizer Schriftsteller Patrick Tschan mit „Keller fehlt ein Wort“ dazu. Er verwendet eine wunderbare, fantasiereiche Ausdrucksform, für einen Mann mit Sprachverlust, in seinem Erstlingsroman, und deshalb bin ich sehr gespannt was nachfolgt. 

Ausserdem habe ich Anthony McCarten für mich entdeckt. „Hand aufs Herz“ habe ich soeben erst fertig gelesen und ich bin begeistert. Mehr darüber steht in der Rezension.

David Vann hat mich mit „Im Schatten des Vaters“ erschüttert, denn es trägt stark autobiographische Züge.

Auf die kanadische Autorin und Performerin Ivan E. Coyote mit „Als das Cello vom Himmel fiel“ bin ich zufällig gestossen und ich habe es nicht bereut, dass ich dieses Buch gelesen habe. Es spricht ein wichtiges Thema an, das lange Zeit tabu war, die Homosexualität. In diesem Buch vor allem, aus der Perspektive des verlassenen Ehemannes, der mit der Sachlage klar kommen muss, dass ihn seine Frau für eine andere Frau verlassen hat.

Welches war euer Lieblings-Cover in diesem Jahr und warum?

Ganz klar hat mir das Buchcover auf dem Roman „Mein Vater aus Paris“ von Antonio Skármeta, am besten gefallen. Farbenprächtiger kann ein Cover nicht sein, die Darstellung von Flora und Fauna ist wunderschön. Das Buch steht gut sichtbar auf dem Regal.

Welches Buch wollt ihr unbedingt in 2012 lesen und warum?

Mein SuB soll endlich kleiner werden, deshalb möchte ich unbedingt eine weitere Übersetzung eines Romans von Nagib Machfus „Das junge Kairo“ lesen, da dieser Autor definitiv zu meinen Lieblingen zählt.

Dann liegt noch „Acht Minuten“ von Péter Farkas bereit, einmal mehr geht es in diesem schmalen Band um Demenz, auch dies ein Thema, das allgegenwärtig ist.

Und dann will ich endlich „Gute Geister“ von Kathryn Stockett lesen. Das Buch ist bereits verfilmt. Mich interessieren generell Südstaaten-Stories und die 1960er-Jahre, damit habe ich mich lange intensiv befasst.

Welche Bücher liegen bei euch für 2012 bereit oder wollt ihr unbedingt lesen? Ich bin gespannt auf eure Antworten.