Sie dreht sich um

Sie dreht sich um

Anna, Anfang Fünfzig erfährt soeben von ihrem Mann Georg, dass dieser ein Verhältnis mit einer jungen Referendarin hat und „Sie wünscht ein Kind von mir“ in den Raum stellt. Das ist für Anna ein dicker Brocken und fluchtartig packt sie ihre Taschen und bucht den ersten Flug, der sie fortträgt von diesen Worten. So landet die Journalistin in Edinburgh, in einer Stadt, in der sie noch nie war. Schon immer eine grosse Kunstliebhaberin besucht sie die National Gallery und ist lange in die Betrachtung der Bilder vertieft. Ein Bild von Gaugin hat es ihr besonders angetan, denn eine der gemalten Bretoninnen, scheint sich zu ihr umzudrehen und zu ihr zu sprechen. So kehrt sie immer wieder zu diesem Bild zurück, wenn sie sich nicht in ihrem Zimmer vergräbt und in gekauften Kunstführern liest.

Offiziell hat Anna sich in den Himalaya für eine Recherchereise begeben und ist für keinen erreichbar, nicht einmal für ihre erwachsenen Kinder.

„Bilder verändern sich nicht. Bilder sind so da, wie sie gemalt worden sind. Dann werden sie angesehen von vielen Menschen. Sie verstauben. Werden geputzt. Umgehängt. Sie sind begehrt und gehen auf Reisen zu anderen Museen. Wo sie auch sind, wer vor ihnen steht, sie sind dieselben über ein Jahr, ein Jahrhundert, ein Jahrtausend. Gut, sie altern, sie dunkeln nach. Doch ist das, was auf ihnen zu sehen ist, lange auf ihnen zu sehen. Auch Bilder, die eine Geschichte erzählen, sind stumm.“

So begibt sich Anna, wie die Bilder, auf Reisen. Sie bleibt nicht in Edinburgh, sondern folgt dem Bretonischen Mädchen, dessen Erschaffer eine dänische Frau hatte, nach Kopenhagen, wo sie erneut in die Kunstwelt eintaucht. Meist ergreift sie die Flucht, wenn andere Touristen ihr den Blick auf ein Bild versperren. Mit anderen Menschen spricht sie kaum, ausser hier in Kopenhagen, wo sie einen Mann kennenlernt und eine Nacht mit ihm verbringt. Obwohl sie der Mann bittet, ihn nach Basel zu begleiten,  packt sie kurz entschlossen erneut ihre Koffer und fliegt nach Boston.

„Er konnte es ja nicht verstehen. Es ging nicht um mehr als genug Bilder, es ging immer nur um das eine Bild. Es ging um einen Wink fürs Weiterkommen. Eine Grundregel des Spiels war, das zumindest glaubte sie mittlerweile verstanden zu haben, auf die Notwendigkeit des Zufalls zu achten.“

So führt sie ihre Reise immer weiter, wo sie vor Bildern innehält, auf denen Menschen mit dem Rücken zum Betrachter abgebildet sind und sich irgendwann zu ihr drehen und ihr ihre eigene Geschichte erzählen – wie das Bild entstanden ist oder etwas über den Maler, der sie erschaffen hat. Das ganze klingt wie ein Spiel, doch die Reise zwingt sie, sich mit ihrem eigenen Leben auseinanderzusetzen, zu reflektieren, was mit ihrer Ehe passiert ist, was sie mit ihrem Mann Georg noch verband oder von ihm trennte. Sie fühlte sich ihm immer unterlegen. Georg, der Altphilologe ist sprachgewandt und selbstsicher, sie hingegen glaubte schon zu Studienzeiten für gewisse Leute nicht intelligent genug zu sein, um sich mit ihnen in ein Gespräch einzulassen.

Nach Amerika kehrt sie nach Europa zurück. Über Zürich führt sie der Weg nach        St. Moritz, wo sie das Segantini-Museum aufsucht. Durch eine Französin führt ihr Weg nach Paris und schliesslich nochmals nach Dänemark, wo ihre Reise in Skagen enden wird, nicht nur weil auf der äussersten Landzunge, wo Kattegat und Skagerak ein Weiterkommen verhindern, sondern weil es nach vier Wochen Zeit wird, sich zu entscheiden.

Angelika Overath wurde 1957 in Karlsruhe geboren. Sie arbeitet als Reporterin, Literaturkritikerin und Dozentin und lebt heute in Sent, im Kanton Graubünden. „Sie dreht sich um“ ist ihr dritter Roman.

Der Roman lässt mich ein wenig zwiespältig und ratlos zurück. Ist es die Geschichte von Anna, einer enttäuschten Ehefrau, die über ihr Leben und wie es scheint, über die missglückte Ehe mit Georg sinniert oder ist es ein Buch, das mir Kunst näherbringen soll? Die Protagonistin Anna steht vor sehr bekannten Gemälden von Gaugin, Segantini, Edward Hopper oder Anna Ancher, um nur einige der Maler zu nennen. Und der Kunstinteressierte errät ziemlich leicht, um welches Bild es sich handelt oder handeln könnte, so detailliert beschreibt die Angelika Overath die Gemälde. So hat es mir grossen Spass gemacht, den einen oder anderen Kunstband aus dem Regal zu ziehen und die Bilder zu suchen, von denen im Roman die Rede ist. Auch sass ich öfters vor dem Computer und suchte das eine oder andere Gemälde im Internet. So habe ich mich wieder einmal intensiv mit Kunst befasst, was immer wieder ein Vergnügen ist.

Kunst

Auch die Gegenden, in denen sich Anna aufhält, werden bis ins kleinste Detail präzise beschrieben und zeugt von einem guten Auge der Autorin. Hier ein Beispiel zu Skagen:

„Die niedrigen, in einem hellen, fast gelben Ocker getünchten Häuser hatten tiefe, rote Ziegeldächer, die an den Seiten mit weiss gemalten Schlusssteinen abgesetzt waren. Auch viele Giebellinien waren weiss. Jedes Haus hatte seine Grundstücksbegrenzung durch Reihen weisser Holzlatten. Ab und an flatterten an hohen Stangen Wimpel, winzige dänische Fahnen wie Korrekturzeichen.“

Skagen

Skagen (Nordjütland)

Über Anna und ihr Leben hätte ich gerne mehr erfahren, doch dieser Teil kommt meines Erachtens etwas zu kurz. So bleibt die Figur für mich etwas blass und  hinterlässt den Eindruck, dass sie sich oft minderwertig fühlt und gehemmt ist, was mir etwas unwahrscheinlich für eine Journalistin dünkt. Doch das ist meine ganz persönliche Meinung. Es muss sich jeder sein eigenes Bild von diesem Roman machen.

Angelika Overath „Sie dreht sich um“
Verlag Luchterhand
279 Seiten
ISBN 978-3-630-87349-7

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Niedergang

Niedergang

Roman Graf, geboren 1978 in Winterthur, Schweiz, arbeitete nach seiner Ausbildung als Forstwart in verschiedenen Berufen und studierte am Leipziger Literaturinstitut. Für seinen ersten Roman „Herr Blanc“ erhielt er zahlreiche Preise, unter anderem den Mara-Cassens-Preis 2009 und den Förderpreis des Berner Literaturpreises 2010. Der Autor lebt heute in Berlin.

Sein Roman „Niedergang“ war nominiert für den Schweizer Buchpreis 2013.

„Am höchsten hinauf, am weitesten kommt, wer mit der Natur verschmilzt, dachte André; das schlechte Wetter muss man sich zum Verbündeten machen.

Regenschwerer Neben hatte über Nacht das Tal gefüllt, klebte im Talgrund, hakte sich an Häuserecken, Dachvorsprüngen, Dachrinnen fest, erstickte das Bergdorf. Der Kirchturm und die Giebel der höheren Häuser waren im Nebel verschwunden, wie abgetrennt, nicht mehr Teil dieser Welt. Strasse und Trottoir, aber auch der Felsen neben der Bäckerei lagen vom Nieselregen verfärbt.“

André ist Schweizer und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Er hat den Wunsch, seiner deutschen Freundin Louise seine Heimat zu zeigen und mit ihr eine mehrtägige Wanderung in den Bergen zu machen. Minutiös hat er die Bergtour, die sie gemeinsam unternehmen wollen, vorbereitet, nichts dem Zufall überlassen. Die Wanderroute hat er genau studiert, die Zeit berechnet, damit sie ganz sicher rechtzeitig in der Berghütte ankommen, wo sie zu übernachten gedenken. Während den weiteren Tagen werden sie auch im Zelt biwakieren. Die Kondition haben sie bei ausgedehnten Wanderungen auf der Mecklenburgischen Seenplatte antrainiert. Da auch eine kurze Kletterpartie eingeplant ist, haben sie in der Kletterhalle ein Klettertraining absolviert und nach und nach den Schwierigkeitsgrad erhöht.

Nun ist das Paar im Hotel angelangt, André bereit für die Bergtour. Louise hingegen, ist schlecht gelaunt, denn das Wetter ist für alles andere geeignet, denn für eine mehrtägige Tour in den Alpen. Doch André besteht auf Aufbruch, Nieselregen und Nebel hin oder her. Sein ganzes Programm gerät sonst aus den Fugen und das wäre schade. Während André voll in seinem Element ist, trottet seine Freundin mit dem schweren Rucksack missmutig hinterher. André weiss, worauf es in der Natur und beim Wandern ankommt, denn er erinnert sich nur zu gut an die Zeit, als er Pfadfinder war, deshalb spart er auch nicht mit gutgemeinten Ratschlägen an seine Freundin.

„Die zähen Abenteuer als Jugendlicher, die er alle bestanden hatte, führten zu einem Selbstbild, zu einer Einstellung, die er noch heute besass: Kein Wanderweg der Welt konnte ihn, André besiegen! Wenn es sein musste, wurde er eine Maschine; nicht wegen seiner Kraft, die mittelmässig war, vielmehr wegen seines Willens.“

Erst am Tagesziel, einer Berghütte, taut Louise, dank dem Gespräch mit dem deutschen Hüttenwart, etwas auf. Jetzt ist es André, der den „Saisonnier“ am liebsten nach Hause schicken würde. Den wird er ganz bestimmt nicht fragen, wie sich das Wetter entwickeln wird.

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Die Welt sieht am folgenden Morgen ganz anders aus, als endlich die Sonne scheint. Für eine Weile scheint auch für André und Louise alles in Ordnung zu sein. Doch unterschwellig gärt es, jeder ist mit seinen Gedanken beschäftigt, wohl auch mit Zweifeln, was die Bergtour, die Beziehung betrifft. Das Ziel ist nah, die Besteigung des Gipfels steht bevor, als Louise sich entscheidet, die Übung abzubrechen. André kann es kaum fassen, ist aber keineswegs bereit, seine Freundin beim Abstieg zu begleiten – nicht so kurz vor dem Ziel. Er entscheidet sich, den Aufstieg ohne Louise durchzuziehen. Allein und auf sich gestellt, hat er viel Zeit, nachzudenken, sich einsam zu fühlen, wütend auf seine Freundin zu sein, die ihn kläglich im Stich gelassen hat, sie trotzdem zu vermissen, in Selbstmitleid zu zerfliessen.

„Bei Louise wusste er nie, woran er war. Gerne hielt sie Dinge im Geheimen, brütete Vorhaben aus und rückte erst spät damit heraus. So hatte sie ihm nicht zu Beginn ihrer Beziehung erzählt, dass Louise nicht ihr richtiger Name war, sondern erst viel Monate später. […] Er hatte damals gleich gedacht, dass ihr Verhalten von geringem Selbstvertrauen zeuge oder sogar krankhaft sei. Heute noch konnte er nicht verstehen, dass sie ihm ihren richtigen Namen nicht früher gesagt hatte. Noch heute ärgerte er sich darüber.“

„Niedergang“ habe ich zu einem Zeitpunkt gelesen, als wir selber Bergwanderungen unternahmen. Es war einfach, sich in Roman Grafs Figuren hineinzudenken, was das Wandern betrifft. Die Stimmung kann leicht kippen, wenn das Wetter schlecht gelaunt ist. Und welche Euphorie, wenn man am Ziel ist und ein herrliches Bergpanorama in gleissendem Sonnenschein vor sich hat. Vergessen sind alle Strapazen und die Müdigkeit. Doch wenn die Beziehung einen Knick abbekommen hat, können tagelange Wanderungen im Gebirge zum Alptraum werden. Das Schweigen des anderen erschlägt einem wie herabstürzende Felsen. Während den stundenlangen Märschen bekommen die Gedanken Beine und wandern ebenfalls. Der Autor hat die geladene Atmosphäre, die zwischen dem Paar herrscht, sehr präzise beschrieben. André geht einem auf die Nerven mit seinen Pfadfinderweisheiten. Er weicht auch keinen Zentimeter von seinem Plan ab. Was sein muss, muss sein. In Gedanken kritisiert er jeden, nur seine eigenen Fehler sieht er dabei nicht. Louise hingegen entwickelt sich weiter – weg von André – und geht ihren eigenen Weg. Obwohl zwei Menschen „nur“ auf einer Wanderung in die Höhe steigen, wird die Geschichte keinen Moment langweilig. Im Gegenteil, man ist gespannt, was sich zwischen den beiden als nächstes ereignet. Das Buch lässt sich süffig weglesen.

Roman Graf „Niedergang“
Verlag Knaus
erschienen 2013
ISBN 978-3-8135-0566-5

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse

Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer SchickseMordechai Wolkenbruch, schlicht Motti genannt, ist fünfundzwanzig Jahre alt und orthodoxer Jude. Seine Mutter führt in der Familie das Regiment und befindet, dass es Zeit wäre, dass auch ihr Jüngster endlich heiraten sollte. Heiratswillige jüdische Kandidatinnen gibt es genügend und gar manches Treffen mit anderen Müttern und ihren Töchtern finden nicht ganz zufällig statt. Doch die Frauen, die Mottis Mame für ihren Sohn aussucht, entsprechen nicht ganz den Vorstellungen des Wirtschaftsstudenten. Die meisten sehen aus wie seine Mutter und haben ein gut geöltes Mundwerk wie sie.

Motti hat längst eine Frau ins Visier genommen. Sie sitzt wie er in den gleichen Vorlesungen an der Universität. Da die junge Frau ihm ausserordentlich gut gefällt, vor allem ihr tuches (Hintern), wird er ein regelmässiger Besucher der Vorlesungen. Ein Haken hat das Ganze: Laura, so der Name der Angebeteten, ist Nichtjüdin und Motti getraut sich nicht, sie anzusprechen. Er hat keinerlei Erfahrungen mit Frauen, schliesslich werden die Begegnungen mit ihnen, in seinem jüdischen Alltag ständig von seiner Mutter organisiert.

„Sofort fühlte ich mich sejer schlecht, auf mehreren Ebenen; als hätte ich ein Kilo milchikes mit einem Kilo fleischike vermengt und in einem Bissen heruntergewürgt. Mir gefiel diese Laura unsäglich. Doch allein schon der Tatsache, dass sie hojsn trug – wohlgemerkt auffalend sportlich geschnittene -, war zu entnehmen, dass es sich bei dieser froj um eine schikse handelte; auch ihr unjüdischer Name verriet, dass sie mit grosser Wahrscheinlichkeit regelmässig Schweine ass und am schabbes hemmungslos elektrsche Gerätschaften in Gang setzte. Dennoch empfand ich den Namen Laura als Wohlklang, und ich muss gestehen, dass sich die Achse meiner jiddischkajt an diesem frimorgn leicht verschob.“

Motti der bei seinem Vater, im Büro der Wolkenbruch Versicherungen, arbeitet, kommt öfters auch zu der alten Frau Silberzweig. Für die jüdische Gemeinde ist sie eine Hexe, da sie sich mit Karten legen beschäftigt. Auch für Motti legt sie die Karten, die ihm prophezeien, dass noch Einiges auf ihn zukommen werde.

„Jingele“, sagte Frau Silberzweig zärtlich und belustigt, „da warten spannende zajtn auf Sie! Oder auch nicht. Wer weiss schon, ob das Zeug da stimmt. Heisst zwar „treferaj“, aber ob es auch trifft …“ […]

„Herr Wolkenbruch, machen Sie nicht ein solches punem (Gesicht)! Es kommt alles gut. Es kommt immer alles gut. Kann ich Sie so gejn lassen?“
„Ich glaube schon“, sagte ich.
„Dann gehen Sie und leben Sie. Und besuchen Sie mich wieder mol.“

In Michèle findet er eine Verbündete. Zwar wäre sie für ihn eine ideale Ehefrau, wenn es nach den Müttern ginge, aber der Funken der Liebe springt bei ihnen nicht über. Sie mögen sich und beschliessen, sich für einige Zeit aus der Verkupplungsszene zu verabschieden und so zu tun, als ob. So verschaffen sie sich für einen Moment eine Verschnaufpause bevor die Braut- bzw. Bräutigamschau wieder weitergeht. Das kommt allerdings gar nicht gut an. Motti muss beim Rabbi vortraben und wird mit guten Ratschlägen eingedeckt, um alsbald zu seinem Onkel nach Israel geschickt zu werden.

Weit weg von der Mame, in äusserst liberaler Umgebung, erlebt er erstmals wie es sich anfühlt, nicht fremdbestimmt zu sein. Völlig verwandelt kehrt er von seiner Reise aus dem Nahen Osten zurück. Er beschliesst endlich sein eigenes Leben zu leben und nicht wie es seine Mutter für ihn vorgesehen hat. Auch äusserlich verändert, mit neuer Brille, von einem nichtjüdischen Optiker, und nach dessen Rat, mit gestutztem Bart, wechselt er, für die Vorlesungen an der Uni, die zu kurzen, schwarzen Hosen gegen Jeans. Was für eine Schande!

Erstmals wird er von seiner Umgebung wahr genommen, selbst Laura, seine Traumfrau, kommt ins Gespräch mit ihm, lädt ihn gar zur WG-Party ein und Motti hebt in den siebten Himmel ab. Endlich!

Auswärts übernachten geht hingegen gar nicht und seine Mame ist einer Ohnmacht nahe, nachdem er erst am nächsten Morgen zu Hause eintrifft. Die Mutter beschimpft seine Eroberung in wüsten Worten, während der Vater sich einmal mehr hinter seiner Zeitung versteckt und brenzlige Situationen höchstens mit einer spassigen Bemerkung zu entschärfen versucht. Mordechai Wolkenbruch muss sich entscheiden.

Thomas Meyer hat einen umwerfenden ersten Roman hingelegt, der umgehend für den Schweizer Buchpreis 2012 nominiert wurde. Das Buch ist in jiddisch-deutscher Sprache geschrieben und den jiddischen Ausdrücken musste ich immer wieder im Glossar hinterherhechten, denn viele Worte sind mir nicht geläufig. Ich könnte mir gut vorstellen, dass weitere Begriffe in unseren Sprachgebrauch Einzug halten, viele sind schon seit Jahrzehnten in Gebrauch, ohne dass uns bewusst ist, dass sie jidischer Herkunft sind. Der blizbrif für E-Mail gefällt mir bsp.weise sehr 😉

Der Roman kommt anfangs leichtfüssig daher und geht zu Herzen. Mit viel Humor wird das Leben der Familie Wolkenbruch und das Verhältnis zwischen Motti und seiner Mame geschildert. Die Situationen spulen sich wie ein Film vor meinem inneren Auge ab und tatsächlich soll das Buch auch verfilmt werden. Thomas Meyer arbeitet bereits am Drehbuch. Je weiter der Roman jedoch fortschreitet und je mehr sich Motti verändert, desto nachdenklicher stimmt mich das Geschehen. Es wird das Dilemma eines jungen Mannes aufgezeigt, der aus den traditionellen Strukturen seiner jüdischen Gemeinschaft ausbrechen möchte. Der junge Jude wünscht sich ein moderneres und vor allem selbstbestimmtes Leben. Seine zukünftige Frau möchte er selbst wählen können und in keine Ehegemeinschaft gezwungen werden. Seinen Entscheid durchzuziehen braucht Kraft, denn dabei helfen wird ihm niemand, er ist auf sich allein gestellt. Nur allzu leicht könnte es deshalb passieren, dass er von der Gemeinschaft, in der die Familie alles ist und wie von einem Kokon umhüllt wird, ausgeschlossen wird. Das ist ein hoher Preis, den er bezahlen müsste – und ob es den wert ist?

„Ein lebn lang hatte ich im glojbn gelebt, nur zwischen weissem Hemd eins, weissem Hemd zwej und weissem Hemd draj wählen zu können, und mir nie darüber gedankn gemacht. Nun mache ich mir welche. Farbige hemdn kamen darin vor. Und Jeans. Und Nichtjüdinnen in Jeans. Eine im Speziellen.“

Ein lesenswertes Buch, das nicht nur humorvoll ist, sondern auch nachdenklich stimmt. Ist ein modernes Leben möglich, ohne dass die Herkunft und Religion, die mit Traditionen und Regeln, die seit hunderten, ja tausenden von Jahren bestehen, verleugnet wird? Ein Stoff der zum Diskutieren einlädt.

Thomas Meyer wurde 1974 in Zürich geboren. Nach einem abgebrochenen Studium der Jurisprudenz arbeitete er als Texter in Werbeagenturen und als Reporter auf Redaktionen. Erste Beachtung als Autor erlangte er 1998 mit im Internet veröffentlichten Kolumnen. 2007 machte er sich selbstständig als Autor und Texter. Er lebt und arbeitet in Zürich.

Thomas Meyer: Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
Salis Verlag
288 Seiten
ISBN 978-3-905801-59-0

Besuchenswert ist auch die homepage des Autors
Interview und Video (Tages Anzeiger)
Jiddisch neu entdeckt (NZZ)

Aus den Fugen

Aus den FugenMit dem neuen Roman „Aus den Fugen“ nimmt mich der Schriftsteller Alain Claude Sulzer mit in den Konzertsaal der Berliner Philharmonie. An diesem Ort wird der Starpianist Marek Olsberg ein Klavierkonzert geben. Auf der ganzen Welt füllt er die Konzertsäle, das Publikum jubelt ihm zu. So wird es auch in Berlin wieder sein.

Auf dem Weg ins Konzert begleite ich einige Personen, die alle dieselbe Absicht haben. Sie haben Konzertkarten für diesen Anlass, der längst ausgebucht ist. Da ist Esther, die ihre Freundin Solveig in die Philharmonie begleitet, obwohl sie viel lieber bei ihrem Ehemann geblieben wäre, die Füsse auf dem Sofa hochgelagert und einen feinen Happen gegessen hätte. Sie geht nur mit, da Solveig ein Abonnement hat und damit sie nicht alleine hingehen muss.

Lorenz, Studium-Abbrecher und einstiger Schachcrack, schlägt sich als Kellner für eine Catering-Firma durch. Er ist für den anschliessenden Empfang, den ein Sponsor für Olsberg geben wird, engagiert. Er schätzt an seinem Leben vor allem, dass er am Morgen ausschlafen kann und trotzdem steckt sein Leben in einer Sackgasse. Er ist alleine, hat keine Beziehung, wohin soll also seine Reise gehen?

Sophie fährt mit ihrer Nichte Klara zum Konzert. Das Verhältnis ist getrübt, weil Klaras Mutter Sophie den Mann ausgespannt hat. Die beiden Schwestern sprechen seit Jahren nicht mehr miteinander. Zudem trinkt Sophie zu viel, was längst an ihrer Arbeitsstelle aufgefallen ist, nicht zuletzt auch Solveig, die zufälligerweise Sophies Vorgesetzte ist und ihr ihm Foyer der Philharmonie begegnet.

Johannes, der erfolgreich in der Werbung tätig ist und um die Welt jettet, macht ebenfalls Halt in Berlin. Seine Ehefrau betrügt er auf seinen Reisen mit Damen von Escort-Services. Auch in Berlin wird dies nicht anders sein. Doch im Gegensatz zu den anderen Personen, lässt er das Konzert sausen, da er nicht an einem Klavierkonzert interessiert ist. Doch genau durch diesen Verzicht, manövriert er sich erst recht in eheliche Schwierigkeiten.

Olsberg wird vor dem Konzert nicht mehr belästigt, damit er sich voll auf den Abend konzentrieren kann. Astrid, seine Assistentin, hat sich, einmal mehr mit einer fürchterlichen Migräne, in ihre Garderobe zurückgezogen und verpasst alles, was dann geschieht.

„Wenige Sekunden später überwältigte sie der Wolf. Er kam wie immer überraschen, wie immer war er noch grösser, noch stärker, noch grausamer, als beim letzten Mal, gefrässig, unbezähmbar, blindwütig. Der Schmerz war feuerrot wie seine Augen und ätzend wie sein Atem. Ihr wurde schwarz vor Augen, der Wolf hatte ihr den Kopf abgebissen.“

Das Publikum nimmt voller Erwartung seine Plätze ein. Es wird einen grossen Pianisten live erleben. Der Star spielt einmal mehr grandios und dann – drei Minuten vor der Pause – klappt Olsberg den Klavierdeckel zu und seine einzigen Worte sind „Das war’s“. Er verlässt die Bühne und lässt ein sprachloses Publikum zurück. Ist es eine Unpässlichkeit? Kehrt er nach der Pause wieder zurück?

„Es vergingen noch ein paar Sekunden, in deren Verlauf Olsberg die Tür zur Seitenbühne selbst geöffnet und wieder hinter sich geschlossen hatte, bis auch dem Letzten Zuschauer in der Philharmonie die Tragweite dessen, wovon er eben Zeuge geworden war, bewusst wurde. Der Tumult, der sich in gesitteten Grenzen hielt, begann piano, steigerte sich aber schnell zum Fortissimo.“

Die Konzertbesucher, der Intendant – alle sind sie ratlos. Die einen warten, bis sie ihre Mäntel an der Garderobe abholen. Schliesslich müssen sie einsehen, dass es das wirklich war. Der Meister ist längst aus der Philharmonie entschwunden und atmet seit Jahren eine ungewohnte Freiheit. Ausgerechnet diesen Moment hat Esther verschlafen. Während Olsberg unerkannt zu Fuss durch die Strassen eilt und das erste Bier in der erlangten Freiheit trinken möchte, gerät der Abend bei den Menschen rund um Olsberg komplett aus den Fugen. Der Abbruch des Konzerts bewirkt einschneidende Veränderungen im Leben der Protagonisten.

„Er konnte es selbst nicht fassen und musste an sich halten, sich nicht allzu auffällig zu benehmen. Auf keinen Fall durfte ihn jemand erkennen. Im Regen zu singen und zu tanzen, danach war ihm zumute, wie Gene Kelly, der so lange durch Pfützen steppte und stapfte, bis ein Polizist auf ihn aufmerksam wurde und der Clownerie ein Ende setzte. Was zu sagen war, hatte er gesagt. Er hatte den Kerker verlassen, in den er sich vor langer Zeit begeben hatte. Es war ein schöner, ein luxuriöser Kerker von den Ausmassen aller Kontinente gewesen, aber doch ein Kerker.“

In einer Kneipe kehren Klara und Sophie noch ein und sprechen miteinander, wie sie es seit Jahren nicht mehr getan haben. Sie erfährt von ihrer Nichte Unglaubliches aus der Familie, die sie hinter sich gelassen hatte.

Auch Esther und Solveig bleibt nichts anderes übrig, als die Philharmonie zu verlassen und sich auf den Heimweg zu machen. Esther wird früher zu ihrem Mann Thomas zurückkehren können, einen Wein mit ihm trinken und kuscheln.

Und der Empfang? Der ist ebenfalls futsch, die Köche und das Servicepersonal können alles zusammenpacken. Lorenz könnte sich auf den Heimweg begeben, doch er findet sich plötzlich in den Räumlichkeiten der Gastgeber dieses Empfangs wieder, rafft fremdes Eigentum an sich und wird von der Dame des Hauses beim Diebstahl erwischt.

Alain Claude Sulzer hat in seinem neuen Roman „Aus den Fugen“, der für den Schweizer Buchpreis 2012 nominiert war, das Leben der Protagonisten in Puzzlestücke aufgeteilt und das Gesamtbild Stück für Stück zusammengesetzt, aber anders, als vor dem Konzert. Was der Leser zu sehen bekommt ist kein harmonisches Bild, bei allen hat es Risse. Der Abend ist für alle anders verlaufen, als geplant und so kommen Unschönheiten an den Tag, von dem die einen geahnt, die anderen aber nichts gewusst haben. Jeder muss, auf seine Weise, den abgebrochenen Konzertabend verarbeiten und beginnen, sein Leben neu zu ordnen.

Gerade so gut hätte man rund um das abgebrochene Konzert Kurzgeschichten verfassen können. Nicht zuletzt erinnert mich der Roman an Filme von Robert Altman, wo sich die Menschen oft in irgendeiner Weise kurz streifen und doch nicht wirklich berühren, aber immer einen Anlass gemeinsam haben. Der Roman liest sich leicht und flüssig. Alain Claude Sulzer verabreicht dem Leser den Abend der diversen Protagonisten häppchenweise. Langsam fügt sich ein Einzelteil ans andere und der Autor hält die Spannung geschickt aufrecht, so dass man rasch weiterlesen möchte, damit man endlich erfährt, in welcher Weise sich das Leben der Leute verändern wird.

Alain Claude Sulzer: „Aus den Fugen“
Verlag Galiani
ISBN 978-3-86971-059-4

Blasmusikpop

Ich muss es einfach tun und den irren Debüt-Roman der Österreicherin Vea Kaiser auch noch vorstellen. Mein Bücherkoffer für den letzten Herbst-Urlaub musste bestückt werden und gerne nehme ich jeweils Literatur mit, die zum Reiseziel passt. „Blasmusikpop“ musste nach Österreich mit – und wurde auch prompt allem anderen vorgezogen. Ich habe den Entscheid keine Minute bereut.

Johannes A. Irrwein kommt im fiktiven Bergdorf St. Peter am Anger zur Welt. Er ist ganz anders als die übrige Dorfjugend und all die Traditionen kümmern ihn wenig. Er mag kein Fussball, spricht kein Dialekt sondern gepflegtes Hochdeutsch und assistiert schon in jungen Jahren seinem Doktor Opa und lässt sich als Gute Nacht-Geschichten die Odyssee erzählen. Der Opa absolvierte als erster Einheimischer überhaupt ein Studium  und kehrte erst zurück, als er schon ein renommierter Bandwurmforscher war. Er eröffnete die erste Arztpraxis am Ort. Johannes soll es ihm einmal gleichtun.

„Für den kleinen Johannes waren es die schönsten Tage der Woche. Doktor Opa und er erforschten die Welt, weswegen er die Schultasche stets vollgestopft zu ihm schleppte, wer weiss, welche Instrumente und Bücher er benötigte.“

Johannes Eltern wünschen sich für ihren Sohn allerdings, dass er am Dorfleben teilnimmt, so soll er auch mit den anderen Kindern ins Jungscharlager fahren. Für Mutter Ilse wird das ein einziger Kampf:

„Sie versuchte Johannes‘ Finger mit Gewalt vom Geländer zu lösen. Kaum hatte sie seine Finger von der Sprosse gelöst und seinen Bauch umfasst, um ihn ins Auto zu tragen, wo bereits die gepackte Tasche mit Schlafsack und Isomatte auf ihn wartete, griff er nach dem nächsten Treppenpfeiler. Vier Stufen hatte sie schon geschafft, sieben lagen noch vor ihr.“

Auch Vater Alois muss seinen Sohn förmlich zum Training des dorfeigenen Fussballvereins zerren. Sein Sohn wird bei einem Spiel zum tragischen Helden, wird er doch beim Lauf auf das gegnerische Tor brutal ausser Gefecht gesetzt, so dass er nie mehr zum Dribbling ansetzen wird. Er ist so gut in der Schule, dass er ins Tal aufs Gymnasium geschickt werden kann, obwohl seine Eltern dagegen sind. Ausgerechnet dieser intelligente Junge fällt schliesslich bei der Matura durch. Er ist kläglich gescheitert und anstatt in die Hauptstadt zum Studium aufzubrechen, kehrt er in sein Dorf zurück und weiss zuerst einmal überhaupt nicht, was er hier machen soll. Nach einiger Zeit beschliesst Johannes eine Dorfchronik zu schreiben, über die Bergbarbaren. Doch er muss bald feststellen, dass er dies nicht als Beobachter von aussen kann, sondern er muss dazu am Dorfleben teilnehmen.

Er, der jahrelang kaum Kontakt zur Bevölkerung hatte und sich von ihr distanziert und sogar geschämt hat, muss sich mit der Zeit eingestehen, dass so eine Dorfgemeinschaft durchaus auch etwas Gutes hat. Er freundet sich sogar mit dem Stürmerstar des Fussballvereins, Peppi, an, der zwar ein einfaches Gemüt, aber ein grosses Herz hat. Und es ist eben dieser Peppi, der an der Jahresversammlung des Fussballclubs das Wort ergreift und Johannes A. Irrwein zum Schriftführer und einen Unparteiischen als Präsidenten, nämlich den Herrn Pfarrer, vorschlägt. Der Club, der wegen einer gigantischen neuen Flutlichtanlage in finanzielle Schieflage geraten ist, muss etwas unternehmen, um die Kasse zu sanieren. Ein Freundschaftsspiel, der zu einem Event mit allem Drum und Dran werden soll, wäre genau das richtige. Johannes schreibt einige Fussballvereine an, um zum Anlass einzuladen. Aus reiner Bequemlichkeit bei seinen Internetrecherchen geht eines seiner Schreiben an den FC St. Pauli, in Hamburg. Und der Fussballclub schreibt tatsächlich zurück und bringt die Bevölkerung im verschlafenen St. Peter am Anger in Bewegung.

„Unten war indessen Volksfestatmophäre ausgebrochen. Die St. Petrianer schrien wild durcheinander, und aus den wenigen Fetzen, die Johannes aufschnappte, schloss er, dass die Organisation in dieser Minute begonnen hatte. Die Mütterrundenmitglieder besprachen, welche Kuchen zu backen und Aufstriche anzurühren waren, der Wirt und Frau Moni stritten über die Logistik der kalten und warmen Getränke. Der Fussballtrainer rief seine Spieler zusammen, um den Trainingsplan zu intensivieren […]“

Doch es sind noch etliche Hindernisse zu nehmen und da sind auch noch die vier Dorfältesten, Grossvater Rettenstein, Ebersberger, Hochschwab und Rossbrand, die sonst immer das letzte Wort haben, doch diesmal ist es auffällig ruhig um sie…

Vea Kaisers Roman habe ich mit grossem Vergnügen gelesen und ich bin begeistert. Ihr Romandebüt ist erfrischend anders und hebt ab. Obwohl das Buch fast fünfhundert Seiten umfasst, ist die Lektüre kurzweilig und gierig habe ich Seite um Seite verschlungen, immer gespannt, in welche Situation sich Johannes oder einer der Dorfbewohner wieder hineinkatapultieren würde. Manch irrwitzige Szenen sind dabei entstanden, hat mein Kopf Kino auf herrlichste Weise angekurbelt und mich an britische Filmkomödien erinnert. Eine Art moderner Heimatroman ist entstanden, der von Einfallsreichtum nur so sprüht und ich habe mich oft gefragt, woher die junge Autorin, die gerade einmals 24 Jahre alt ist, bloss diese Phantasie her hat. Sie hat teils schrullige und sehr eigene Figuren geschaffen und die Dialoge überschäumen vor Witz. Sehr erfrischend fand ich dabei, dass die Dialoge der Dorfbevölkerung im österreichischen Dialekt verfasst sind und es hat mir Riesenspass gemacht, diese Passagen häufig laut vor mich her zu lesen. Der Dialekt wurde mir im Urlaub schliesslich tagtäglich präsentiert. Dabei habe ich auch immer mal wieder eines der Kapitel meinem Partner vorgelesen und manchmal haben wir Tränen gelacht, denn etliche Szenen sind der reinste Slapstick.

Das Buch regt aber auch zum Nachdenken an, denn Vea Kaiser vermittelt auch, dass eine eingeschworene Dorfgemeinschaft nicht negativ sein muss. Zwar kann sie beengend werden, vor allem wenn nichts vor den Augen und Ohren der anderen verborgen bleibt und der Dorftratsch seine Runde macht. Dass aber ein grosser Zusammenhalt unter diesen Menschen besteht und man sich gegenseitig hilft, das muss mit der Zeit auch der Einzelgänger und Streber Johannes einsehen. Durch die Eingebundenheit im Vereinsleben, durch seinen neuen Freund Peppi und seine Aufgabe, die er übernehmen muss, wird er zu einem angesehenen und aufgeschlossenen jungen Mann, der auch die Liebe kennenlernt und durch all die Umstände die wahre Reifeprüfung – die des Lebens – besteht.

Vea Kaiser: „Blasmusikpop“Verlag: Kiepenheuer & Witsch
ISBN 978-3-462-04464-5

Kreuzweg

Kreuzweg

Die Ich-Erzählerin entscheidet im Alter von sechzehn Jahren die letzten zwei Schuljahre in einem französischen Internat zu absolvieren. Ihr Vater ist nicht gerade begeistert, willigt aber schliesslich ein, dass seine einzige Tochter auswärts die Schule beenden möchte. Als sie sich mit ihrer Mutter in das Internat begibt, um sich einzuschreiben, erweckt sie bei der Klosterschwester den Eindruck, dass ihr der Abschied von zu Hause schwer falle. Doch sie verspürt keinerlei Heimweh und freundet sich rasch mit einem Mädchen an, das einer Hotellerie-Familie entstammt. Nur am Wochenende kehrt sie nach Hause fort, wo sie ihre Französischkenntnisse gleich anwendet und bald schon besser als ihr Vater, einem Schuldirektor, die Fremdsprache beherrscht.

Wenn ihr Vater Ausflüge vorschlägt, schützt sie vor, noch Hausaufgaben zu haben und für die Rückkehr ins Internat schlägt sie vor, dass die Mutter mitfährt, damit der Vater die fast zweihundert Kilometer nicht alleine zurückfahren müsse.

„Die Ader auf seiner Stirn pochte, als Mama sich bereit erklärte mitzugehen. Nur ich bemerkte das.“

Manchmal hält sie die Schulordnung nicht ein, wenn sie sich Süssigkeiten gönnt, die sie eigentlich mit den anderen teilen müsste. Immer am Dienstag, zieht sie sich mit Schokolade oder ein paar Toffees in ihr Bett zurück und geniesst diesen Augenblick für sich.

„Am Dienstagabend, und nur dann, ass ich sie im Bett auf, nachdem ich vorher unter der Bettdecke das Knisterpapier heruntergerissen hatte. […] Während ich mir die Süssigkeit auf der Zunge zergehen liess, dachte ich ganz intensiv und bewusst an zu Hause. An Mama, die zu ihrer wöchentlichen Chorprobe gegangen war und dort leidenschaftlich den Dirigentenstab schwang. An Papa, der jetzt allein im Haus war, sich durch das Fernsehprogramm zappte oder rastlos umherlief, vielleicht auch an einem Meisterwerk arbeitete.“

Ihr Vater hat mit der Malerei begonnen, kleine Miniaturbildchen, kindlich, akribisch genau gemalen.

Das erste Mal stockt mir als Leserin der Atem, es wird bei der Lektüre schon bald klar, worum es im neuen Roman von Diane Broeckhoven geht.

„Ich glaube, ich war in meinem Leben nie glücklicher, als an jenen Dienstagabenden in meinem Zimmerchen, die nur mir allein gehörten. Von der Aussenwelt nur durch einen dünnen Vorhang abgetrennt und trotzdem vollkommen sicher.“

Sie erwägt hier in dieser Sicherheit, mit einer Schwester zu sprechen und nimmt sich vor, ihrer Mutter einen Brief zu schreiben, auch wenn dieser Brief das Leben der Familie verändern, ja gar zerstören wird. Es kommt jedoch nicht mehr zum Gespräch, das persönliche Glück dauert nur wenige Monate, da wird ihr die traurige Botschaft vom Tod ihrer Mutter mitgeteilt. Sie muss nach Hause zurückkehren, ihrem Vater beistehen. Das letzte Schuljahr wird sie wieder ihre alte Schule besuchen und dort den Abschluss machen.

Nachdem noch einmal der Geburtstag der verstorbenen Mutter, mit einigen Verwandten begangen wird, vergisst die junge Frau, als sie zu Bett geht, die Tür zu ihrem Zimmer abzuschliessen. Der Herzschlag bleibt für Momente aus und man meint, gleich mit dem Mädchen tausend Tode sterben zu müssen, aber der Herzschlag setzt wieder ein, das Leben geht weiter. Beinahe normal sitzen sich Vater und Tochter am nächsten Morgen am Frühstückstisch gegenüber und ihr Vater heischt mit einem Hundeblick um Vergebung, sucht nach einer Entschuldigung.

Die Tochter zieht die Konsequenzen, packt einige Sachen und sucht Zuflucht bei ihrer fast blinden Oma Gleis, die ganz in der Nähe des Bahnhofs wohnt. Kleider holt sie nur, wenn sie weiss, dass sie ihrem Vater nicht begegnen wird. Kleider von ihrer Mutter, Fotos und Souvenirs nimmt sie mit in ihr neues Zuhause und baut sich ihren persönlichen Mutter-Altar auf.

In ihrer neuen, alten Schule bleibt sie alleine, wird nicht zu Partys eingeladen. Man weiss nicht, wie man der Mitschülerin begegnen soll, die die Mutter verloren hat. Nur mit dem anderen neuen Mitschüler freundet sie sich an und der gibt schon bald freimütig zu, dass er sich nicht für Mädchen interessiert. Darüber ist die Ich-Erzählerin mehr als froh. Und froh ist sie auch, als ihr Vater eine neue Beziehung eingeht. Es ist die Frau auf einem Tryptichon ihres Vaters, die sie „Geisha“ nennt, weil sie einen weissen Teint und ein fast japanisches Aussehen hat. Die neue Frau an der Seite ihres Vaters ist eine Erleichterung, aber bald gerät die vermeintlich heile Welt erneut aus den Fugen oder sagen wir, sie fällt aus allen Nähten. Das siebzehnjährige Mädchen beginnt ihren Körper in den Kleidern ihrer Mutter zu verstecken.

„In ihren Röcken und Hosen hatte mein Körper wieder Platz. Alles an mir war rundlicher, voller geworden, sogar meine Wangen. Wenn ich voller Entsetzen in den Spiegel von Omas Wäscheschrank sah, blickte mir manchmal meine Mutter entgegen. Ich erkannte etwas von ihrer warmen Molligkeit wieder. Es war, als habe sie sich unter meiner straffen Hauf eingenistet.“

Diane Broeckhoven, 1946 in Antwerpen geboren, hat zahlreiche Kinder- und Jugendbücher geschrieben und mit dem Roman „Ein Tag mit Herrn Jules“ gelang ihr ein absoluter Bestseller, der das Herz berührte. Mit ihrem neuen Roman „Kreuzweg“, der von Isabel Hessel ins Deutsche übersetzt wurde, berührt sie mich erneut.

Das Buch wird nicht in Kapitel, sondern in Stationen gegliedert, es sind die fünfzehn Stationen auf dem Kreuzweg von Jesus. So trägt die erste Station den Titel „J. wird zum Tode verurteilt“ und die letzte Station „J.s Wiederauferstehung aus dem Grab“. Den Roman könnte man als Gleichnis zu Jesus Kreuzweg verstehen, denn es ist auch der Kreuzweg der Ich-Erzählerin, von der der Leser erst am Schluss den Namen erfahren wird. Unglaubliches Leid, das ihr in jungen Jahren zugefügt wurde, trägt sie als schwere Last alleine, ohne sich jemandem anvertrauen zu können und wäre beinahe daran zerbrochen. Immer wenn sie sich entscheidet, auch als erwachsene Frau, ihr schreckliches Geheimnis jemandem anzuvertrauen, ist es bereits wieder zu spät. Die Autorin hat es erneut geschafft, mit wenigen Worten fast ein ganzes Leben, das so tragisch ist, zu umschreiben. Die Lektüre hat mich aufgewühlt und erschüttert zurückgelassen.

Diane Broeckhoven: Kreuzweg
Verlag C. H. Beck
ISBN978-3-406-63941-8
124 Seiten

Die Donnerstagswitwen

Argentinien steht in diesen Tagen wieder in den Schlagzeilen, die Bevölkerung demonstrierte zu hunderttausenden gegen die Regierung und die Präsidentin Christina Kirchner. Die Kriminalität steigt, die Korruption nimmt immer schlimmere Ausmasse an und mit der Wirtschaft steht es auch nicht zum Besten. So gehen die Menschen, vor allem Mittelstand und Oberschicht, mit ihren Töpfen und Pfannen auf die Strassen, um ihrer Unzufriedenheit mit viel Lärm Luft zu machen.

Die argentinische Schriftstellerin Claudia Piñeiro nimmt den Leser in „Die Donnerstags-witwen“ in eine ähnliche Zeit mit, wie sie erneut vorherrscht, doch das Zeitrad wird in die 1990er-Jahre zurückgedreht.

„Ich benutzte so wenig Geschirr wie möglich. Schon seit ein paar Jahren hatte ich mich damit abgefunden, dass wir uns keine Vollzeithaushaltshilfe mehr leisten konnten, inzwischen kam bloss noch zweimal pro Woche eine Frau, die die gröbsten Arbeiten erledigte. Seither benutzte ich also kaum noch Geschirr, wie ich mir auch angewöhnt hatte, meine Kleidung möglichst nicht zu zerknittern und nur selten das Bett neu zu beziehen. Nicht, weil ich die damit verbundene Arbeit als anstrengend empfunden hätte, aber wenn ich Geschirr spülte, Betten machte oder bügelte, musste ich daran denken, was ich früher gehabt hatte, jetzt aber nicht mehr hatte.“

Das sind die Worte von Virginia Guevara, deren Mann Ronie vor sechs Jahren die Arbeit verloren hat und nun mehr oder weniger den ganzen Tag zu Hause hockt. Die Familie wohnt in einem Country, einer abgeschlossenen Siedlung namens Altos de la Cascada, ausserhalb von Buenos Aires. Ein zwei Meter hoher Drahtzaun umgibt das Gelände, Überwachungskameras sind installiert. Die Schranke hebt sich nur für die Bewohner die ihre Magnetkarten ans Lesegerät halten, für die Hausangestellten, Arbeiter und Besucher, die angemeldet sind. Ausser zur Arbeit oder für die Schule muss man das Country nicht verlassen. Alles ist hier vorhanden: Läden, Kinos, Sport- und Freizeitplätze. Es ist geregelt wie die Gärten angelegt werden dürfen, Zäune und Mauern sind verboten. Alles ist mehr oder weniger reglementiert. Es ziehen Familien her und auch wieder weg. Trennt sich ein Paar oder stirbt ein Ehepartner, bleibt der andere Partner selten im Country. Dann kommt Virginia oder wie sie sich geschäftlich nennt, Mavi, ins Spiel. Eher durch Zufall rutscht sie in die Immobilienbranche und betreibt nun ihr eigenes Maklerbüro. An ihr kommt keiner vorbei, der in La Cascada ein Haus kaufen oder verkaufen will. Und ihr rotes Heft, in das sie alles notiert, was mit Kunden und dem Immobilienhandel zu tun hat, ist berüchtigt.

Die Familie Guevara lebt seit Ende der 1980er-Jahre im Country und ist eine der ersten, die dauerhaft in Altos de la Cascada einzieht und der Stadt den Rücken zukehrt.

„Hierauf legte Virginia jedes Mal besonderen Wert, wenn sie jemandem ein Haus zeigte: Fledermäuse und Beutelratten. Neue Bewohner der Siedlung, die bei der Ankunft in ihrer Ahnungslosigkeit und ohne Vorwarnung dem Glauben verfielen, im Paradies gelandet zu sein, und dann unversehens auf eins dieser Tiere stiessen, würden sich nie mehr von diesem Schreck erholen. Fledermäuse und Beutelratten lassen sich aber nun einmal weder von den drei Durchgangsbarrieren noch vom ringsum aufgespannten Maschendraht abhalten. […] „Und wer jemandem ein Haus verkaufen oder vermieten will, sollte dafür sorgen, dass den Kunden ihre Traumvorstellungen erhalten bleiben; ihre Ängste dagegen sollten sich so schnell wie möglich in Luft auflösen.“ So steht es in Virginias Heft, im Kapitel „Fledermäuse, Beutelratten und andere Mitglieder der Fauna von La Cascada“. Und in Klammern hat sie hinzugefügt: „Zumindest, bis alle Verträge unterschrieben sind.“

Der Leser begleitet nicht nur die Familie Guevara durch deren Alltag mit ihren Freuden und vor allem Sorgen, sondern auch die Scaglias, die Urovichs, Andrades, Insúas und Masottas. Denn nicht nur die Fledermäuse und Beutelratten überwinden die Barrieren des Country, sondern auch die alltäglichen Probleme der Paare und die der pubertierenden Kinder. Eines Tages wird Virginia nämlich in die Schule gebeten, da Sohn Juani anscheinend Probleme macht. Ein Aufsatz über „Die Nachbarn“ ist Anlass zur Sorge. Juani scheint Dinge über den Nachbarn zu erfinden, der sich nachts nackt vor den Computer setzt und seine Hand immer wieder zwischen den Beinen verschwinden lässt. Ausserdem hat der Junge auch noch ein Bild gezeichnet, auf dem der Nachbar rittlings auf dem Hund zu sehen ist. Das Bild haben einige Klassenkameraden bereits gesehen. Was damals die Runde noch als Zeichnung machte, wäre heute eine Handyaufnahme. Auch wenn der Junge die Wahrheit schreibt und die Situation zeichnet, wie er sie beobachtet hat, ist er es, der eine Therapie beim Psychologen machen soll, wie die Schulleitung der entsetzten Mutter empfiehlt.

Später befreundet sich Juani mit der Tochter der Andrades, Romina, die vor ihrer Adoption Ramona hiess. Sie fühlt sich nie wirklich wohl in ihrer neuen Familie und ihr Bruder Pedro wird ihr bereits als Baby entzogen und wie sie vermutet schmiert ihm die Adoptivmutter Crème zur Hautaufhellung ins Gesicht. Die Mutter lehnt sie ab und vom Vater hält sie ebenfalls nicht viel.

„Romina weiss nicht, was Ernesto beruflich macht. In der Schule soll sie einen Aufsatz darüber schreiben, welcher Arbeit der Vater nachgeht. Aber Romina weiss das nicht. Sie weiss, was die anderen sagen, aber das stimmt nicht. […] In Altos de la Cascada glauben alle, er sei Anwalt […] Mariana müsste es auch wissen. Schliesslich ist sie seine Frau. Doch Mariana lügt. In einem Aufsatz lügt man nicht. Wenigstens erzählt man nicht anderer Leute lügen, da erfindet man besser selber welche.“

Juani und Romina ziehen durch die Strassen der Siedlung, klettern auf Bäume und schauen durch fremde Fenster oder rauchen Marihuana. Was wieder ein Grund zur Sorge ist.

Die Polizei wird nie hinzugezogen. Schwierigkeiten regelt man selber, Verbrechen gibt es keine, höchstens Verstösse und dafür gibt es von einem Rat Verwarnungen und die Vergehen werden in einer Liste eingetragen. Für die meisten Bewohner ist alles mehr oder weniger im grünen Bereich bis zur Jahrtausendwende. Argentinien schlittert in eine Wirtschaftskrise, längst stehen weitere Männer auf der Strasse, so auch Tano Scaglia, der Geschäftsführer bei einer holländischen Firma ist. Zu Hause verschweigt er, dass er seinen Job verloren hat und fährt weiterhin in sein Büro in Buenos Aires, das ihm noch eine Zeit lang zur Verfügung gestellt wird. Seine Frau Teresa plant nichtsahnend die nächsten Ferien im Ausland, die sich die Familie inzwischen gar nicht mehr leisten kann. Der Hausherr rechnet, wie lange das Ersparte noch reichen wird um den Lebensstil unverändert aufrecht zu erhalten. Die Urovichs sind inzwischen beinahe pleite. Die Ehefrau pumpt eine Bekannte an, um einen Hund für ihren Sohn kaufen zu können. Der Umzug nach Miami wird geplant, wo man in der spanischen Community nicht mal Englisch können muss und sich schon irgendeine Arbeit finden wird. Und der seltsame Neue, Gustavo Masotta, der überstürzt eine neue Bleibe bei Virginia kauft, stellt sich als Schläger seiner Frau heraus. Einige Herren versuchen auf zweifelhafte Art noch Geld zu scheffeln.

„In La Cascada ist es nichts Besonderes, wenn man nichts über den anderen weiss, nicht was er gemacht hat, bevor er hierhergezogen ist, und auch nicht, was er jetzt eigentlich so macht, wenn er in seinen eigenen vier Wänden ist.“

Dann ist wieder Donnerstag – Herrenrunde – und Tano macht seinen Freunden einen unglaublichen Vorschlag.

Die Autorin Claudia Piñeiro, wurde 1960 in Buenos Aires geboren. Nach dem Wirtschaftsstudium wandte sie sich dem Schreiben zu, arbeitete als Journalistin, schrieb Theaterstücke, Kinder- und Jugendbücher und führte auch Regie fürs Fernsehen. Für den Roman „Donnerstagswitwen“ erhielt sie 2005 den Premio Clarín.

Zuerst glaubte ich nicht so recht, dass mich die Schilderungen von dieser reichen oder sagen wir mal vermeintlich reichen Bevölkerungsschicht interessieren könnte. Denn was ist spannend an Frauen, die sich aus lauter Langeweile zu irgendwelchen Mal- oder Feng Shui-Kursen treffen, den Nachmittag beim Burako-Turnier verbringen, Sport treiben oder Männer die sich zum Tennis- und Golfspiel treffen, Parties veranstalten und über Aktien sprechen? Doch allmählich nehmen die Einzelschicksale Fahrt auf, die heile Welt hinter den Fassaden ist alles andere als in Ordnung. Der kostspielige Lebenswandel lässt die Vermögen schrumpfen, die Kinder begehren auf und mit Schrecken müssen die Eltern feststellen, dass auch im Country Drogen die Runden machen. Auch innerhalb des „Paradieses“ wird gelogen und betrogen. Die Freundschaften erweisen sich in vielen Fällen meistens als oberflächlich, denn Keiner weiss so richtig über den anderen Bescheid.

Der Zaun um die Siedlung garantiert keine Sicherheit und bietet keinen Schutz vor den Unannehmlichkeiten, die das Leben mit sich bringen kann. Es stellt sich heraus, dass die Bewohner des Countrys als unfähig erweisen, die einfachsten Dinge des Lebens, zu bewältigen, wie die richtige Buslinie zu nehmen oder eine Fahrkarte zu lösen. Der Putz beginnt zu bröckeln. Und schlussendlich muss auch die Familie Guevara über ihren Schatten springen und eine folgenschwere Entscheidung treffen.

All dies beschreibt Claudia Piñeiro auf eindrückliche Weise und mit Biss. Der Roman wird als Krimi angepriesen. Ich betrachte es eher als eine Gesellschaftsstudie über die obere Mittelschicht, die sich in Krisenzeiten verheddert wie ein Garnknäuel und nicht mehr weiter weiss. Die Geschichten der Menschen zogen mich mit sich. Ich wurde, wie Romina und Juani, die nachts durch die Strassen von Altos de la Cascada streifen, zum Voyeur, der durch fremde Fenster schaut und der Blick fördert einige Überraschungen ans Licht, die nichts mehr mit dem Paradies gemein haben.

Claudia Piñeiro: „Die Donnerstagswitwen“
aus dem Spanischen von Peter Kultzen
erschienen im Unionsverlag