Wo Kinder schlafen

Vor kurzem hatte meine Nichte Geburtstag und eine Woche davor lud mich meine Schwester zu diesem Anlass ein. Ich wollte natürlich wissen, was ich als Geschenk mitbringen könnte und ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, als mir meine Schwester mitteilte, dass sich ihre Tochter ein Buch wünsche.

Ein Buch! Heiliger Bimbam, was war denn jetzt passiert? Schon seit einiger Zeit geht eigentlich nichts mehr in Sachen zwei Kartons mit beschriebenen Seiten dazwischen. Computer und Iphone sind im Augenblick meist spannender.

Nun war ich schon neugierig geworden, um welches Meisterwerk es sich handeln würde und ich muss schon sagen, die junge Dame hat ausgezeichnet gewählt!

Es handelt sich um den Fotoband „Where children sleep“ des Fotografen James Mollison. Er ist 1973 in Kenia geboren und in England aufgewachsen. Der Fotograf wollte ursprünglich Kinder und ihre Schlafzimmer porträtieren, musste aber bald feststellen, dass bei vielen Kindern kein Schlafzimmer vorhanden ist. Oft schlafen sie auf einer Matte im einzigen Raum einer Hütte. Ein Junge aus Rumänien legt sich vor den Toren Roms auf eine Matratze im Freien oder das vierzehnjährige Mädchen in den Favelas von Rio, erhält gnädigerweise für eine Weile das Bett ihrer Mutter, denn das Mädchen ist zum dritten Mal (!) schwanger.

Auf der anderen Seite werden die Kinder verhätschelt bis zum geht nicht mehr, wie ein vierjähriges Mädchen in Japan. Das Zimmer könnte nicht vollgestopfter sein mit rosa Spielsachen und Unmengen von Kleidern. Die Mutter näht ihrem „Püppchen“ die Kleider selber, dreissig an der Zahl – im Monat! Dann ist da ein Junge aus den USA, dessen Zimmer sieht aus, als wäre man im Militär und es ist vollgestopft ist mit Waffen!

James Mollison ist nach Mexiko, Australien, nach Italien und die USA, Indien, Nepal, China oder Brasilien gereist und hat eine Palette von eindrücklichen, erschreckenden und faszinierenden Bildern mitgebracht, die den Betrachter schlichtweg umhauen, vor allem wenn man die Texte liest, die sich zu den Fotos hinzugesellt haben. Auf 120 Seiten sind Kinderporträts und ihre Schlafplätze festgehalten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, vollgestopft oder einfach, dunkel oder hell, alltäglich oder aussergewöhnlich.

Zufälligerweise hatte ich die Gelegenheit, bereits einige Fotos und Texte aus diesem Bildband in der „Neuen Zürcher Zeitung“ zu bestaunen, noch bevor ich das Buch geliefert bekam. Die Zeitung hat während einer Woche das Fototableau diesem Buch gewidmet. Und ich ziehe den Hut vor meiner Nichte, dass sie sich dieses Buch ausgewählt hat. Zudem ist es erst in englischer Sprache erhältlich. Sie hat also zusätzlich Gelegenheit, sich im Englischen zu üben.

Den Bildband, der bemerkenswert ist, kann ich jedem empfehlen und nicht zuletzt auch Eltern. Man kann sich die Bilder getrost mit den Kindern anschauen und diskutieren. Und wenn der Nachwuchs wieder einmal quängelt, ihnen vielleicht auch einmal vor Augen halten, dass es andere nicht gar so gut getroffen haben, was den Schlafplatz und die Spielsachen anbelangt oder sich an der eigenen Nase nehmen und vielleicht auch einmal kein Schnickschnack für das Kind vom Shoppen mit nach Hause zu bringen, frei nach dem Motto „Weniger ist Mehr“ 😉

Wer sich ein Bild machen möchte, der kann sich auf der Website des Fotografen eine Auswahl an Fotos hier anschauen.

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Bäume – Die Wald- und Gartenbäume der Welt

Als ich den Namen Hugh Johnson auf dem Buchdeckel las, dachte ich sofort an Wein. Tatsächlich handelt es sich beim Autor um den Weinexperten, der „Der kleine Johnson“ und „Der grosse Johnson“ herausgibt. Bereits 1973 ist „Bäume“, im Original „Trees“ das erste Mal veröffentlicht und in all den Jahren immer wieder überarbeitet und umgestaltet worden.

„Mein Ziel war einfach, alle Baumliebhaber auf die Bäume aufmerksam zu machen“, sagt Hugh Johnson und meint, dass ihm dies heute sehr blamabel vorkomme. Sein Werk, mit den vielen schönen Fotos, teilweise von ihm selber aufgenommen, teilweise von einem Gartenfotografen, darf sich heute sehr wohl sehen lassen.

Wer sich für Bäume interessiert, die für unseren Planeten von so grosser Wichtigkeit sind, erfährt viel Wissenswertes: vom Innenleben eines Baumes, über die Blätter, Früchte, die Holzarbeit, die Jahreszeiten, Entdecker im Osten und Westen, über die Pflanzung und auch über die Schnittkunst. Anschliessend werden 600 Nadel- und Laubbäume mit Fotos und Zeichnungen präsentiert.

Schon immer haben mich Bäume interessiert und ich fotografiere schöne oder skurile, mächtige oder spezielle Bäume auch sehr gern. Mein Interesse wurde nochmals  grösser, als ich dabei sein konnte, als mein Partner mit seinem Bruder zur Holzarbeit in den Bergwald ging.

Jedes Mal, wenn wir durch die Natur, ob im Wald, in Pärken oder über Felder, streifen und auf einen uns unbekannten Baum stossen, können wir jetzt zu Hause in diesem umfangreichen Buch nachschlagen und uns detailliert informieren. Es ist schön, dass mein Partner die Ohren gespitzt hat, als ich den Wunsch nach einem Baumbuch äusserte und ich dieses Prachtexemplar auf meinen Geburtstag erhalten habe. Es wird nicht weit weggelegt, denn es lohnt sich, immer wieder einen Blick hineinzuwerfen und nachzulesen.