Mit beiden Beinen in zwei Kulturen

Erst am vergangenen Sonntag wurde Catalin Dorian Florescu an der BuchBasel mit dem Schweizer Buchpreis 2011, für seinen Roman „Jacob beschliesst zu lieben“ ausgezeichnet. Gestern Abend hatten wir bereits das Vergnügen, den Autor in unserer Gemeinde zu sehen und zu hören. Sein neuestes Werk, das Elke Heidenreich in der FAZ als sein bestes rühmt, habe ich erst vor zwei Tagen zu lesen begonnen, aber schon jetzt kann ich sagen, dass es aussergewöhnlich ist. Ich wollte es mir also nicht nehmen lassen, diesen Autor ein zweites Mal an einer Lesung zu sehen. Der Anlass wurde in den grossen Gemeinderatssaal verlegt, in Anbetracht der Aktualität, aber ich befürchtete, dass der Saal sicher wieder nicht voll würde. Es tut mir leid dies sagen zu müssen, in unsrer Stadt gibt es zu wenig Literaturinteressierte und ich finde das äusserst Schade.

Viele wissen gar nicht, was sie da verpassen. Einen Schriftsteller hautnah und auf Augenhöhe zu erleben, finde ich immer wieder sehr spannend und bereichernd. Ich habe mich vor der Lesung mit einer pensionierten Bibliothekarin unterhalten, da erfährt man doch so viele interessante Fakten und Geschichten aus der Literaturwelt.

Catalin Dorian Florescu kam früh und zeigte keine Berührungsängste mit dem Publikum. Man kommt rasch mit ihm ins Gespräch. Das kleine Pult mit Mikrofon auf der Bühne wollte er nicht haben, zu weit von den Leuten entfernt.

Kurzerhand wurde der grössere Tisch, an dem der Billette-Verkauf vor sich ging, hergebracht und vor die drei Stufen der Bühne platziert. Näher ans Publikum ging wirklich nicht.

Die Einführung und einen Überblick über die fünf Romane gestaltete der Germanist Heinrich Boxler. Er führt  an der Volkshochschule den Kurs „Neue Schweizer Literatur“ durch und an einem der fünf Kursabende findet jeweils eine Autorenlesung statt. Bereits im Juni wurde der Termin mit dem Autor fixiert, damals ahnte noch niemand, dass er einige Monate später der Träger des Schweizer Buchpreises sein würde. Daher meinte Boxler, er hätte in letzter Zeit viele Mails von Catalin erhalten und hätte Angst gehabt, dieser würde die Lesung in einem seiner Mails absagen, weil er vielleicht andere Verpflichtungen vorgezogen hätte. Der Schriftsteller konterte scherzend, dass Anfragen aus New York, Paris, Madrid und Moskau eingegangen seien, „was ist mir die Welt, wenn ich Dietikon habe“. Boxler zog aus seinem Rucksack ein kleines Fläschchen Prosecco und zwei Plastik-Flûtes, um mit Florescu auf den Preis anzustossen.

Damit die Zuschauer nicht neidisch würden, drehte sich der Autor mit dem Rücken zu uns und nahm einen Schluck mit hörbarem Laut, dass es geschmeckt hat, nicht zu viel, damit er die Lesung nicht „alkoholisiert“ halten müsse. Als Boxler erklärte, dass Florescu als freier Schriftsteller arbeite, meinte dieser: „Was ist ein freier Schriftsteller? Wäre ich Schriftsteller in Kuba, wäre ich jetzt im Gefängnis. In diesem Sinne, ja, bin ich ein freier Schriftsteller.“

Wie gesagt, Mikrofon war nicht nötig, ein Stuhl auch nicht. Florescu setzte sich auf den Tisch und fing erst einmal an zu erzählen, über seine Bücher, seine vier ersten Romane, das erste Buch „Wunderzeit“ autobiographisch, auch der zweite „Kurzer Weg nach Hause“, „Der blinde Masseur“ und „Zaïra“, diese Menschen gab es wirklich und er hat über sie erzählt. Immer wieder sind es Menschen aus seiner ersten Heimat, die er in seinen Romanen verarbeitet.

Wir erfuhren viel Interessantes über Rumänien, das er als fünfzehnjähriger Junge mit seiner Familie verlassen hat und ihn in die Schweiz geführt hat. Erst sein fünfter Roman „Jacob beschliesst zu lieben“ handelt von fiktiven Personen. Wie das Banat in Rumänien besiedelt wurde, von wo der Autor auch stammt, entspricht hingegen der Geschichte. Es waren Menschen aus Lothringen und dem Elsass, die sich nach dem Dreissigjährigen Krieg, nach Seuchen und anderen Kriegen, in Rumänien niederliessen. Wir bekamen viele Hintergrundinformationen geliefert, auch immer mal wieder mit witzigen Bemerkungen. Selbst Rumänien-Witze aus Ceausescu-Zeiten fehlten nicht.

Florescu las aus „Zaïra“ und aus „Jacob beschliesst zu lieben“ die Passagen zur Geburt der beiden Hauptfiguren. Dabei konnte er ganze Seiten überspringen und fügte doch alles zu einem Ganzen zusammen. Anschliessend stellte er sich für Fragen des Publikums zur Verfügung und signierte danach seine Bücher. Dabei ist zu bemerken, dass der Kursleiter und der Autor noch in Zürich herumgesaust sind, um das neueste Werk und einige ältere Titel aufzutreiben. Da kam Florescu nicht umhin anzufügen, dass er sich wie in den 1980er-Jahren fühle, als die Leute in Rumänien in Schlangen für Lebensmittel oder sonst etwas anstanden. Nun waren also auch in Zürich seine Bücher zur Mangelware geworden.

Ich erlebte einen durch und durch sympathischen Autor, der seine Zeit auch in Gesprächen dem Leser widmet, beim Signieren seiner Bücher jedem etwas Persönliches in sein Exemplar schreibt und dessen Bücher es sich zu lesen lohnt. Er hat meine Neugierde auf dieses Land im Osten Europas und dessen Gesicht noch mehr geweckt! Ich hätte ihm ein grösseres Publikum gegönnt.

Ich setze mich also erneut mit Freude an „Jacob beschliesst zu lieben“ und bin gespannt, was mich in diesem Roman noch alles erwartet. Bericht folgt.

Fotos © lesewelle

Offener Brief an Friedrich Dürrenmatt

Kürzlich ist im Diogenes Verlag eine 960-seitige (!) Biographie über Sie erschienen. Auch das neue Diogenes Magazin widmet Ihnen einen ganzen Sonderteil. Ich lese, dass der Schweizer Journalist, Peter Rüedi, die Darstellung der Biographie, chronologisch gesehen, 1957, mit dem Welterfolg des Theaterstücks „Der Besuch der alten Dame“ enden lässt.

„Der Besuch der alten Dame“, ich komme nicht davon los. Dieses Stück habe ich das erste Mal im Fernsehen gesehen, es wurde damals in einer berndeutschen Dialektfassung aufgeführt. Bis heute sind mir gewisse Szenen daraus, vor allem mit den Eunuchen der Claire Zachanassian, im Gedächtnis haften geblieben, so dass ich sie heute noch teilweise nachsprechen kann. Es waren die komischen Momente in dieser Tragikomödie. Als ich etwas älter war, habe ich die Hollywood-Version mit Ingrid Bergmann gesehen. Der Film wurde kein Knüller, aber das hat Sie nicht gestört.

Und dann kam der ganz grosse Moment: Im letzten Schuljahr haben wir das Stück im Deutschunterricht regelrecht seziert. Der Höhepunkt war dann am Examen unsere Aufführung. Der Deutschlehrer hatte mir sogar die Hauptrolle gegeben. Es hat viel Mühe bereitet, die langen Texte auswendig zu lernen. Dann, eines Tages, entschied der Lehrer anders; die Zweitbesetzung, Silvia, sollte Claire Zachanassian spielen, ich sollte die Rolle des Lehrers übernehmen.

Können Sie sich das vorstellen? Das war für mich zuerst geradezu eine Abwertung. Ich war empört und enttäuscht über seinen Entscheid. Ich konnte nicht nachvollziehen, weshalb unser Lehrer sich anders entschieden hatte. War es, weil Silvia Schülerin in seiner eigenen Klasse war? Keine Ahnung. Ich fand Silvia damals so langweilig und fade. Claire hatte schliesslich grosses Temperament.

Ich muss gestehen, dass die Rolle des Lehrers dann allerdings auch nicht ohne war. Sie haben sich da ziemlich lange Monologe für ihn ausgedacht. Wie Silvia schliesslich die Claire gespielt hat, weiss ich heute nicht mehr, denn ich hatte damals genug zu tun mit meiner Rolle.

Als der grosse Moment, nach vielen Proben, endlich gekommen war, war ich fürchterlich nervös. Ich hatte schreckliches Lampenfieber, stand hinter der Bühne und ging diverse Textpassagen innerlich nochmals durch. Ich war plötzlich nicht mehr sicher, „kommt das jetzt oder erst im 2. oder gar 3. Akt? – was ist, wenn ich nicht mehr weiter weiss?-  -mein Gott, ich habe den Text vergessen! Hilfe!! -“

Dann musste ich raus auf die Bühne und meine Beine zitterten. Eine Souffleuse stand an der Seite, hinter dem Bühnenvorhang. Aber wie von Geisterhand war mir der ganze Text wieder präsent. Ich versichere Ihnen, ich war überglücklich darüber. Allerdings war ich froh, dass die Scheinwerfer eingeschaltet waren und den Saal, ausser den ersten Reihen, im Dunkeln liessen. So konnte ich das Publikum kaum sehen, denn der Kirchgemeindesaal war proppenvoll. Alle Eltern und auch Bekannte sind zur Aufführung gekommen.

Es war nicht nur für mich, auch für die Anderen, ein einmaliges Erlebnis, einmal im Leben auf den „Brettern, die die Welt bedeuten“ zu stehen. Und es kommt hin und wieder bei einer unserer  Klassenzusammenkünfte vor, dass „Der Besuch der alten Dame“ einmal mehr Gesprächsthema wird.

Jener Abend bleibt unvergessen in meinen Erinnerungen und ich danke Ihnen für dieses grossartige Theaterstück.

Hochachtungsvoll

eine Verehrerin Ihrer Werke

(Anmerkung: Der Zufall wollte es, dass ich am Literaturfestival „Zürich liest“ auf dem Stadtrundgang eine alte Dame aus Zürich kennenlernte, die Friedrich Dürrenmatt persönlich gekannt hat. Er hat, einige Zeit bei ihrer Familie in Zürich gewohnt und sie hat mir ein wenig berichtet. Wir haben uns sehr gut unterhalten und vielleicht ergibt es sich noch, dass ich aus jener Zeit etwas erzählen kann.)

Im Bureau

Als ich das Hörbuch im Diogenes Verlag entdeckte, musste ich mir dieses unbedingt bestellen. Den Entscheid habe ich nicht bereut.

Ich bin nicht wirklich der Hörbuch-Typ, aber zwischendurch lasse ich mich doch auf ein Hörerlebnis ein. So nun geschehen, bei „Das Bureau“ nach Texten von Robert Walser (1858 – 1956).

Hörbücher eignen sich bekanntlich gut, während der Verrichtung unliebsamer Tätigkeiten (bei mir ist das bügeln) oder längeren Autofahrten (allein).

Es geht hier um Büroangestellte und ihre Arbeit, deren Marotten und Ziele. Wir haben da zum Beispiel einen Typ, namens Hedinger, Abteilung Buchhaltung. Der ist so auf die „Arbeit versessen“, dass er alle paar Minuten auf die Uhr schaut und still vor sich hin leidet, weil die Zeit partout nicht vergehen will. Jede Unterbrechung ist ihm willkommen, sei das der Toilettengang, den zieht er schön in die Länge, etwas Interessantes auf der Strasse, wo man zum Fenster eilen kann usw.

Sein Chef hat ihn auf dem Kieker, die Kollegen beobachten ihn genau, schauen auf die Uhr, um zu sehen, wie lange er denn ausgetreten ist.

Oder der junge Glauser, sehr korrekt und auf Karriere aus. Damit seine Streberhaftigkeit nicht zu sehr auffällt, streut er schon einmal einen kleinen Fehler in seine Arbeit ein. Er findet zwar, dass er für höhere Tätigkeiten geboren ist, aber er erduldet die niedrige Verrichtung, erträgt den säuerlichen Atem seines Chefs hinter ihm, Hauptsache, er wird eines Tages selber Chef dieser Truppe sein.

Wen haben wir noch? „Meier vom Land“ und „Meier von der Stadt“ oder Germer. Der hat eine Lebensstelle und er muss mit dem Chef-Stellvertreter Rüegg zusammenarbeiten. Sie hassen sich, können sich nicht ausstehen. Germer kann sich sogar erlauben allen und vor allem Rüegg ein „Gehen Sie weg“ an den Kopf zu werfen. „Meier vom Land“ findet, dass Germer krank ist und auf dem Land besser aufgehoben wäre. Und es stelle sich einer vor: seine Frau wird alle paar Wochen beim Chef vorstellig, um diesen zu bitten, ihren Mann doch in Ruhe zu lassen, damit der nicht krank würde!

Die Texte wurden von Robert Walser Ende des 19. Jahrhunderts bis 1945 geschrieben. Im Büroalltag hat sich Einiges geändert, der Umgang miteinander auch, zum Guten, wie zum Schlechten will ich hier nicht erörtern. Aber stammen diese Büroangestellten auch aus einer anderen Epoche, eines ist auch heute noch gleich: es gibt den Unterwürfigen, den Streber, den „Zuspätkommer“, den „wenn es nur endlich Abend wäre“-Typ und andere Gesellen. Die Beobachtungen von Robert Walser sind sehr präzise und die Texte von ausgesprochener Raffinesse. Ich habe mich sehr gut unterhalten und Schwupps – da war doch die Wäsche auch schon gebügelt – 🙂

Da mach ich doch gleich noch einen Reim draus:

Diese Hör-CD hat mich beflügelt                                                                             Schwupps, war die Wäsche auch schon gebügelt

Eine Hör-CD zum selber hören und zum Verschenken. Vielleicht ein Geschenk an Freunde, die im Büro arbeiten?

In diesem Sinne, lauscht wohl

Peter Stamm – Lesung

© lesewelle

Es ist immer gut, wenn man die Augen auch auf der Strasse offen hat, so ist mir ein Kulturplakat unserer Stadt aufgefallen, das Peter Stamm für eine Lesung in der Stadtbibliothek ankündigte. Das Datum musste ich mir gleich notieren, denn ich mag seine Bücher sehr und wenn er schon extra zu uns kommt, wollte ich mir diesen Anlass nicht entgehen lassen. Von diesem Autor habe ich schon seinen ersten Roman „Agnes“, der 1998 erschienen ist, „Ungefähre Landschaften“ den Erzählband „In fremden Gärten“ gelesen. „An einem Tag wie diesem“ liegt noch auf meinem SuB.

Ich war früh dran und war die Erste, die auf der Matte der Bibliothek stand. Ich weiss, dass Lesungen nicht jedermann/frau interessieren, aber vor der Lesung schweifte mein Blick über die Reihen hinter mir und dabei zählte ich gerade einmal etwa 25 Leute, ohne Bibliotheks-Mitarbeitende, sehr enttäuschend. An anderen Orten liest Peter Stamm vor einem grösseren Publikum. Die Bibliothekarin informierte uns, dass Peter Stamm den „Alemannischen Literaturpreis“, der mit 10’000 Euro dotiert ist, verliehen bekommt. Die Verleihung findet am 18. September in Waldshut statt.

Er las aus seinem neusten Erzählband „Seerücken“ vor.

Zuerst erklärte er uns, wo sich der Seerücken überhaupt befindet. Auch als Schweizer Zuhörer ist nicht jeder in regionaler Geographie bewandert. Der Seerücken ist ein Hügelzug im Kanton Thurgau und erstreckt sich zwischen dem Bodensee und dem Thurtal. Im Kanton Thurgau ist Peter Stamm auch aufgewachsen. In „Sweet Dreams“, bekommen wir Einblick in das Leben eines jungen Paares, das seine erste gemeinsame Wohnung bezogen hat. Die junge Frau ist eifersüchtig und hat Zweifel an der Liebe ihres Freundes zu ihr. Es wird dem Leser Einblick in einen Alltag gewährt, wie er auch bei uns vorkommen kann. Gerade diese Beobachtungen der zwischenmenschlichen Beziehungen sind es, die, die Bücher von Peter Stamm ausmachen. So verwundert es nicht, dass Zuhörer oft auf ihn zugehen und meinten, dass sie sich in seiner Geschichte wiedererkannt hätten. Dass er genau ihr Leben erzählt habe.

Danach zog er ein kleines Büchlein aus der Brusttasche seines Hemdes und las „Das schönste Kleid“ vor, eine Kurzgeschichte, die er im Auftrag eines Bekannten, für dessen Firma geschrieben hat. Dieser verschenke die Büchlein an seine Kunden. Schön, wenn man da Kunde ist, finde ich.

Nach der Lesung konnte das Publikum Fragen stellen. Zuerst getraute sich niemand so recht, eine Frage zu stellen. So habe ich den Anfang gemacht, sonst hätte ich hier nichts zu berichten und das wäre doch schade. Dann kamen die Fragen zahlreich und so wollte ein Leser (!) wissen, ob Autor zu sein, sein Traumberuf sei. Er bejahte die Frage, aber trotzdem rate er jedem davon ab, Schriftsteller zu werden, denn wirtschaftlich gesehen rentiere es sich nicht. Ich wollte wissen, ob er auch unterwegs schreibe. Und er meinte, wenn es nicht gerade eine überfüllte S-Bahn, morgens um sieben sei, schreibe er sehr gerne im Zug, vor allem auf der Strecke nach Biel sei es sehr angenehm zu schreiben.

Nach dem Signieren seiner Bücher, kam er auch zum Apéro, wo sich die Gelegenheit bot, noch ein wenig zuzuhören und einige Fragen zu stellen. Er erzählte u.a., dass er seinem Sohn die Geschichte “ Der Schweizerische Robinson “ von Johann David Wyss in Mundart erzähle. Das Buch könne man schlecht in der Sprache des 18. Jahrhunderts, in der der Roman geschrieben ist, vorlesen. Das Buch sei vergriffen und er überlege sich, ob man dieses nicht wieder einmal in einer moderneren Fassung auflegen sollte. Klingt vielversprechend und wir werden sehen, ob es einmal eine Neufassung, wo Peter Stamm draufsteht, zu lesen gibt.

Es ist doch etwas anderes, wenn man Peter Stamm live erlebt. Auf vielen Fotos wird er mehrheitlich ernst abgebildet, dabei ist er, wie ich finde, ein sehr sympathischer Schriftsteller und der Abend war sehr interessant. Mit meinen signierten Büchern und einem Bilderbuch „Warum wir vor der Stadt wohnen“ (kannte ich noch nicht), radelte ich zufrieden nach hause.

Bauern-Roman

Noëlle Revaz

Von wegen den Tieren

„Von wegen den Tieren“ ist Noëlle Revaz‘ erster Roman. Die Schriftstellerin beschreibt in diesem Buch, aus Sicht des einfachen Bauern Paul, dessen Beziehung zu Frau, Kindern und Tieren. Dabei kommt vor allem zum Ausdruck, dass er seinen Tieren viel mehr Liebe entgegenbringt, als seiner Familie.

Die Situation wird nicht einfacher, als der portugiesische Knecht Jorge auf den Hof kommt. Dieser benimmt sich nicht wie ein Knecht, sondern oft wie der Bauer selbst. Das passt Paul gar nicht. Sein Unmut über Jorge, müssen vor allem seine Frau und seine Kinder ausbaden. Die Namen seiner Kinder weiss er nicht, seine Ehefrau nennt er nur „Vulva“. Auch als diese krank wird und ins Spital eingeliefert werden muss, bleibt er kalt. Nun fehlt ihm eine Hilfe auf dem Hof. Jorge muss das Essen für die Kinder und den Bauern zubereiten. Er schaut, dass es der Familie gut geht und er besucht die Bäuerin im Krankenhaus. Gefühle, vor allem gute, kann Paul gegenüber Menschen nicht zeigen. Jedoch seine Tiere behandelt er sanft und spricht mit ihnen zärtlich, wie er es mit der Familie nie tut.

Die Sprache ist gewöhnungsbedürftig, schockiert, aber aus meiner Sicht, auch wenn die Worte oft brutal und unmenschlich sind, hat mich das Buch von Anfang an in seinen Bann gezogen. Es ist auf alle Fälle lesenswert und mehr als aussergewöhnlich.