Eine Fähr(t)e von Lesern

Wie schlägt man sich vier Stunden auf See um die Ohren?

Man schläft, trinkt und isst, sonnt sich an Deck, läuft umher, diskutiert, spielt Karten oder …

… liest. Da schlägt das Bücherherz höher, wenn man in einen der Salons kommt und sieht, wie viele junge und ältere Passagiere Zeitungen, Reiseführer und Romane lesen. Eine wahrlich belesene Fähre 😉

Wir lesen

Meine Bibliothek nach der Apokalypse

Die Blogstöckchen fliegen munter weiter durch die Gegend und grenzübergreifend, diesmal in einer Form, dass es mich geradezu schauert. Losgetreten wurde es dieses Mal von Tobias vom blog „texte und bilder“ und zwar mit folgender Frage, die es in sich hat:

Wenn du drei Bücher vor der Apokalypse, die alle anderen Bücher auf dem Planeten zerstört, retten könntest – welche wären es?

Warum sind es ausgerechnet diese drei Bücher und die Begründung soll sich auf etwa 140 Zeichen pro Buch beschränken, was mehr als schwierig ist. Danach soll das Stöckchen an zwei Blogger weitergereicht werden.

Mir warf dieses apokalyptische Stöckchen Mara von buzzaldrins bücher zu und stellt mich da vor eine schwierige Aufgabe. Klar, wenn die Apokalypse ansteht, kann ich nicht noch einen Bücherkoffer mitschleppen, da sollte ich mich wirklich beschränken. Aber was wähle ich aus? Nun, ich habe mich jetzt wirklich sehr spontan entschieden, aber diese drei Bücher liegen mir sehr am Herzen, dass sie gerettet werden, denn sie sind es wert:

???????????????????????????????

1. John Steinbeck „Früchte des Zorns“

Will man etwas über die „Grosse Depression“ und das schwere Los der Wanderarbeiter erfahren, ist das der Roman schlechthin – absolut grandios!

2. Upton Sinclair „Der Dschungel“

Chicagos Schlachthöfe anfangs des 20. Jahrhunderts und die Ausbeutung der Fabrikarbeiter bleiben für mich unvergesslich – beeindruckend!

3. John Williams „Stoner“

Was lese ich überhaupt nach dem wiederentdeckten Roman über einen Literaturprofessor? Ich bin seit langem erstmals ratlos.

Ich werfe das Stöckchen nun Ingrid von DruckSchrift und Petra von Philea‘s Blog zu und hoffe, dass sie es auffangen und ebenfalls helfen, weitere Bücher zu retten 🙂

Ein Tag mit Büch(n)ern

Was macht einer an einem kalten Frühlingstag, wenn er nicht arbeiten muss und sich gerne mit Büchern umgibt? Genau, er befasst sich von morgens bis abends mit Büchern, schliesslich sind sie seine Leidenschaft!

Ich habe eine Woche Urlaub, könnte also ausschlafen, ausgiebig frühstücken und in den Tag hineinleben. Stattdessen wache ich bereits zum zweiten Mal auf – es ist erst halb sieben – für meine Begriffe viel zu früh für ein Frühstück. So hole ich das Buch hervor, das wir für den Lesezirkel ausgelesen haben, und verkrieche mich wieder ins warme Bett um einige Kapitel zu lesen.

Ein Tag mit Büch(n)er 005

Irgendwann knurrt dann doch der Magen. Es gibt Frühstück, danach lese ich einige Literaturbeiträge im Internet, bevor ich mich mit dem Fahrrad auf zum Bahnhof mache. Es ist neblig und die Kälte dringt in alle Poren. Da mache ich doch mal einen Abstecher in die Buchhandlung Beer, an einem der schönsten Altstadt-Plätze von Zürich.

26-03-2014 18-26-20

Diese vielen interessanten Neuerscheinungen, wann soll man die bloss alle lesen? Da ich mich nicht entscheiden kann, greife ich zu einer alten Bekannten: S. Corinna Bille’s Romane werden im Rotpunktverlag seit einiger Zeit neu verlegt, der neueste Titel ist eben erst erschienen und ich greife zu:

Ein Tag mit Büch(n)er 003

Dann spaziere ich über den Platz und bevor ich in die nächste Gasse einbiege springt mich ein Strassenschild förmlich an:

Büchner 008

Robert Walser lebte und arbeitete neun Jahre in Zürich und den Roman „Der Gehülfe“ habe ich ebenfalls gelesen. Sogleich stehe ich vor dem Restaurant „Reblaube“, wo 1778 – 1801 Johann C. Lavater, Pfarrer zu St. Peter und Philosoph, einst wohnte und kein geringerer als Goethe zu Besuch weilte.

Büchner 009

Gleich um die Ecke ist das Literaturmuseum „Strauhof“, das jährlich vier Ausstellungen ausrichtet und auch die James Joyce-Stiftung beherbergt. Ende Jahr soll das Haus geschlossen werden und einem Literaturlabor für Jugendliche Platz machen! Nicht nur viele Literaturfreunde sind empört, sondern auch Joyce Enkel, was man hier nachlesen kann. Zu diesem Museum also führen meine Schritte, denn bis Juni gibt es hier die Ausstellung „Georg Büchner: Revolutionär mit Feder und Skalpell“ zu sehen, die ich mir anschauen möchte. So bin ich mindestens für zwei, drei Stunden an der Wärme.

Ein Tag mit Büch(n)er 002

Die Ausstellung ist interessant und sehr aufschlussreich (darüber werde ich ein andermal berichten) und danach trete ich ins Freie, wo sich inzwischen auch die Sonne zeigt. Kalt ist es immer noch. Ich lenke meine Schritte in Richtung Grossbuchhandlung, bleibe kurz stehen und schaue einem Fotografen bei seiner Arbeit zu, der Aufnahmen mit einem japanischen Model in Plateauschuhen und Shorts (!) macht. Da ziehe ich mir den Reissverschluss meiner Daunenjacke noch etwas mehr zu. In der Buchhandlung hole ich mir deren Büchermagazin, schaue mich noch etwas um, ohne schwach zu werden und weitere Bücher zu kaufen und begebe mich zur Tramhaltestelle.

Ein Tag mit Büch(ner)_1 001

Wieder im Zug nach Hause, lese ich noch den Artikel über T.C. Boyle in einem Wander-Magazin fertig, das ich am Bahnhofs-Kiosk gekauft habe.

Büchner 041

Heute Abend habe ich noch eine Menge zu lesen. Und so geht ein überaus vielseitiger, mit Literatur und Büch(n)ern vollbepackter Tag zu Ende.