Das begehbare Buch

Eine sehr witzige Idee, die sich die Buchhandlung „Orell Füssli“ mit Partnern da ausgedacht hat, wir lesen nicht in einem Buch, sondern wir begehen und erleben es mit all unseren Sinnen. Die Villa Mainau und das angebaute Kino Razzia, in Zürich, werden während dem ganzen September 2011 zum begehbaren Buch. Noch einmal kann man die Villa, die einem Neubau weichen muss und das Kino, das komplett umgebaut wird, in ihrem Originalzustand geniessen und erkunden. So treten wir in die Villa ein, wo wir über alle Stockwerke und in jedem Zimmer eine Ausstellung zum Thema Buch erleben können.

Das gute alte Telefonbuch ist ebenso vorhanden, wie das Kulturmagazin DU, in Kinderbüchern aus dem NordSüd Verlag kann geblättert und gelesen werden, es kann auch gezeichnet und geschnipselt und die Bilder in Rahmen gesteckt werden. Die Küche und das Wohnzimmer werden mit Kochbüchern und Kochzeitschriften behängt, mit Kräutern bepflanzt, in Anlehnung an die vegetarische Küche des Restaurants HILTL, ein paar Häuser weiter. Ebenfalls im 2. Obergeschoss treten wir in den Raum des Verlags Kiepenheuer & Witsch – Thema „Anständig Tiere essen“: der Raum, eine Metzgerei, an den Fleischhaken hängen Bücher, die Axt oder das Messer und die Gabel stecken in Büchern, alles mit Hinweis auf die Bücher von Jonathan Safran Foer „Tiere essen“ oder Karen Duve’s „Anständig Essen“. An einer Wand kann, wer Lust hat, mit einem Stempel hinterlassen, was er am Vortag gegessen hat, Gemüse und Obst, Fleisch, Milchprodukte.

Dann geht es wieder ein Stockwerk hoch, eine Dunkelkammer erwartet uns, man setze sich da hinein und lasse sich aus dem Buch „Der Blindgänger“ von Steven Mack vorlesen. Man sitzt absolut im Schwarzen und kein Lichtschimmer fällt herein, damit man sich die Blindheit des Autors vorstellen kann. Steven Mack wird mehrmals im September die Hausfassade der Villa besteigen, obwohl er blind ist!

Auch für WC-Lektüre ist gesorgt. Auf jedem Stockwerk kann man auf dem stillen Örtchen „Märchen für Erwachsene“ anhören. In einem Zimmer setzt man sich ins Wohnzimmer aus den 1960er-Jahren und hört sich Hörbiographien Schweizer Persönlichkeiten an, sei das von Bertrand Piccard, dem Luftfahrtpionier, der Radsportlegende Ferdy Kübler oder auch der ehemaligen Bundesanwältin und Chefanklägerin der UNO am internationalen Strafgerichtshof in Den Haag, Carla del Ponte.

Es darf auch in Kunstbüchern „verbotener Künstler“ geschmökert werden, in denen das Leben und Schaffen von inoffiziellen Künstlern gezeigt wird, die in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts unbekannt waren und erst jetzt ihre Anerkennung bekommen. Auf dem schwarzen Ledersofa lässt es sich bequem in den Bänden blättern.

Unter dem Dach angekommen treten wir schliesslich und endlich in die ehemaligen Wohn- und Arbeitsräume der Büchersammlerin und Autorin Mina Schirmherr ein, die hier, bis zu ihrem Tod im Jahre 2008 gelebt hat und wo uns Einblick in ihre Arbeiten gewährt wird.

Bevor ich die Villa verlassen habe, wollte ich noch das Buch „Bücher fürs Leben“ kaufen, in dem ca. 60 Buchempfehlungen von Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Medien (Tim Robbins, Elke Heidenreich, Franka Potente, Justin Timberlake) enthalten sind. Das Buch gab’s gratis ;), was sehr grosszügig ist.

Es finden zudem auch Lesungen (Karen Duve, Iris Berben usw.), Buchvernissagen  und mehr im Haus und im angrenzenden Kino Razzia statt

Dieser Event ist ein Genuss und ist sehr interessant. Es sollte mehr solche Kulturanlässe geben.

Begleitet mich auf einem kleinen Rundgang durchs Haus:

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Kultur in Baden

Für den Samstag hatte ich mir vorgenommen, die Sonderausstellung „Faszination Buch“ im Kindermuseum in Baden zu besuchen. Zuerst jedoch machte ich einen Einkaufsbummel durch die schöne Altstadt, landete, wie üblich, in einer Buchhandlung, die ich noch nicht kannte. Was ich dort sehr angenehm fand, dass die Romane nach Herkunft der Autoren, also nach Kontinenten und teilweise auch nach einzelnen Ländern präsentiert werden.

Quizfrage: Habe ich die Buchhandlung mit oder ohne Buch verlassen :D?

Da das Museum erst am Nachmittag geöffnet ist, schaute ich mir den wunderschönen Park der Villa Boveri, gleich nebenan an. Obwohl zwischendurch wieder ein Regenschauer niederging, schlenderte ich durch die Anlage. Der grosse alte Baumbestand und die Sträucher verschluckten jeglichen Verkehrslärm. Ich liebe alte mächtige Bäume. Danach spazierte ich zur Villa Funk rüber, in der das Kindermuseum untergebracht ist.

Das Wetter war gerade richtig, um sich durch die Räume dieses Hauses, das 1896/97  erbaut wurde, zu bewegen. Zuerst habe ich mich noch in den Räumen der Kinderkultur aufgehalten, wo ich auch Spielsachen aus meiner Kindheit entdeckt habe, aber natürlich auch viele Objekte aus anderen Generationen und fremden Kulturen. Man muss sich Zeit nehmen, deshalb werde ich mir ein anderes Mal diesen Räumen widmen, die für „Kinder“ von 5 bis 95 geeignet sind.

Nach Erich Kästner’s Zitat: „Nur wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch.“

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Mich zog es also ins zweite Untergeschoss, wo diese spannende Sonderausstellung präsentiert wird. Da wird erst einmal erklärt, wie es überhaupt zum geschriebenen Wort und schliesslich zum Buch gekommen ist. Kalligraphie ist ebenso ein Thema, wie die verschiedenen Schreibinstrumente, wie der Kielfeder bis hin zum Computer. Hinter einem grossen aufgeklappten Duden befindet sich eine Nische, hier wird ein Film vorgeführt, in dem Personen, die in irgendeiner Weise mit dem Buch verbunden sind, zu Wort kommen, wie bsp.weise ein Schriftsteller, wie er beim Schreiben vorgeht, oder der Programmverantwortliche des Atlantis-Verlags. Eine Bilderbuch-Illustratorin zeigt, wie sie die Bilder zeichnet, gestaltet oder mit Collagen zusammenstellt. Auch die Richterin, die mit Gesetzesbüchern zu tun hat oder eine junge Leserin kommen zu Wort. Für mich am spannendsten war der Buch- und Papierrestaurator. Man durfte einen Blick auf dessen interessante Arbeit werfen. Ich hätte noch lange zuschauen können.

Hinter Glas werden Bilderbücher, Klassiker des Kinder- und Jugendbuchs, bibliophile Raritäten gezeigt. Dort habe ich das eine oder andere Buch auch aus meiner Jugend entdeckt, selbst die Lesefibel aus der 2. Klasse. Die Bücher wurden digitalisiert und somit wird dem Besucher ein Blick ins Buch ermöglicht, indem auf einem Touchscreen-Monitor die gewünschten Exemplare angetippt und danach einige Seite geblättert werden können. Cartoons über Bücher sind ebenso ausgestellt, wie auch Lesezeichen aus diversen Epochen. Es gibt aber auch offene Buchregale, wo man nach Herzenslust in Büchern blättern und lesen darf.

Es war alles in allem wieder ein wunderbarer Ausflug in die Welt der Bücher und allgemein zu Kulturgütern unterschiedlichster Art.