Das belesene Wirtshaus

Auf unserer Reise von Jütland nach Fünen machten wir in Middlefart, das am Kleinen Belt liegt, Halt und genossen die Sonne bei einer Tasse Kaffee im Wirtshaus Guldkronen.

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Als ich den Gasthof betrat, staunte ich nicht schlecht, was ich da zu sehen bekam: Regal an Regal reihte sich, in denen in Leder gebundene Bücher standen. Da fanden sich die gesammelten Werke Dostojewskis neben denen von Charles Dickens. Auch der dänische Dichter Holger Drachmann fehlte nicht, dessen Grab wir in Nordjütland am äussersten Zipfel Skagens gesehen hatten.

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Was hatte es sich mit dieser Bibliothek in einem Wirtshaus auf sich? Der Wirt, der sehr gut deutsch sprach, gesellte sich zu uns und von ihm wollte ich es genauer wissen. Henrik Rasmussen ist auch ein Scherzkeks und er gab zur Antwort, dass die Gäste ein wenig Bildung gebrauchen könnten, nicht zuletzt auch der Bürgermeister und zeigte nach Nebenan, wo einige Einheimische, unter ihnen auch der Bürgermeister der Stadt, beim Frühschoppen sassen.

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Spass beiseite: Die Bibliothek gehörte seinem Vater, der sie kurzerhand in die Gaststube stellte. Eine ungewöhnliche, aber sehr sympathische Idee, die mir natürlich gefallen hat. Der Wirt gab uns auch einen Prospekt seines Gasthofes mit, in dem die Geschichte des Hauses erzählt wird und worin ich folgendes Foto gefunden habe:

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Dieser Gast schlief 1960 in der Gaststube den Schlaf des Gerechten. Ein Witzbold platzierte die Dänische Flagge neben ihm auf den Tisch und stellte sie auf Halbmast. Er hatte ganz bestimmt kein Interesse mehr in einem Buch der Bibliothek zu blättern.

Wir setzten unseren Rundgang im Ort fort und fanden die öffentliche Bibliothek der Stadt nicht weit entfernt. Sie liegt am Yachthafen und ist lichtdurchflutet, da an Glas nicht gespart wurde. Mit dem schönen Ausblick über den Belt könnte man die Bücher dann glatt vergessen.

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Hier lang zur Bibliothek

Auf unserer Reise durch Dänemark ist mir aufgefallen, dass praktisch in jeder Ortschaft, in der es eine Bibliothek gibt, diese mit einem Wegweiser ausgeschildert ist. Diese Einrichtung kann man also nicht verfehlen. Ich finde das sehr lobenswert und sollte auch bei uns eingeführt werden. Überhaupt bin ich ständig über Bibliotheken „gestolpert“. Sie zogen mich magisch an.

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In Frederikshavn lag unser Hotel gleich um die Ecke zur Bibliothek. Also, stattete ich dieser einen Besuch ab, um mich auf fremdem Terrain umzusehen. Natürlich wollte ich gleich einmal wissen, ob auch Schweizer Autoren vertreten sind. Man soll nichts überstürzen, deshalb entschied ich mich für einen Klassiker und ging zum Regal mit dem Buchstaben F wie Frisch.

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Max Frisch ist also vertreten. Bei den zeitgenössischen Autoren gab ich die Suche ziemlich rasch auf, denn die, die mir spontan in den Sinn kamen, waren nicht vorhanden.

Fällt euch etwas auf an der Reihe? Richtig, die Einbände sind alle gleich gestaltet und was für mich auch neu war, dass von einem Titel mehrere Exemplare im Regal standen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Da hätte also auch ich einmal die Chance, zum Buch meiner Wünsche zu kommen. Bei uns ist sicher immer jenes Buch ausgeliehen, das ich auch lesen möchte.

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Im gleichen Gebäude, nur durch einen Zwischengang getrennt, ist das Kunstmuseum untergebracht, in welchem eine Sammlung zu sehen ist, die ebenfalls mit Büchern zu tun hat:

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Die Ex Libris-Sammlung umfasst ca. 250’000 Arbeiten, auch solche von Künstlern der Gegenwart. Wer sich dafür interessiert und in der Gegend ist, sollte sich diese Sammlung unbedingt ansehen.

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Ein Besuch im Stift Seitenstetten

Unser Urlaub führte uns kürzlich nach Österreich und somit hin und wieder auch in eines der vielen Klöster. Diesmal nutzten wir die Gelegenheit, um an einer Führung im Stift Seitenstetten, in der gleichnamigen Ortschaft, im Bundesland Niederösterreich, teilzunehmen.Das Stift, das dem Benediktinerorden angehört, feiert dieses Jahr sein 900jähriges Bestehen. Zurzeit wohnen im Kloster noch 33 Mönche, davon sind 21 im Stiftsgymnasium tätig. Die Schulglocke schrillt, dann öffnen sich die Türen und die 350 Schüler die hier die Schulbank drücken, wuseln durch die Gänge. An der Führung nahm auch ein älterer Herr teil und es stellte sich heraus, dass er hier auch einst Klosterschüler war. Doch an diese Zeit hat er wohl kaum gute Erinnerungen, denn als ihn der Führer fragte, ob es ihm hier gefallen habe, überlegte er nicht lange und verneinte.

Verschiedene Räume können besichtigt werden, unter anderem die Ritterkapelle oder die Gemäldegalerie, die sehr beeindruckend ist. Die Stifts-Bibliothek ist aussergewöhnlich, sind doch die 16’000 Bücher alle in weisses Schweinsleder gebunden, was ziemlich einzigartig ist. Durch die weissen Buchrücken wirkt der Raum hell und nimmt ihm die Schwere, die oft von solchen Räumen ausgeht.

An einigen Stellen in den Bücherregalen sind Lücken festzustellen. Wir erfahren, dass die Lücken durch Buchdiebstahl entstanden sind. Es kam auch schon vor, dass In einigen Büchern einzelne Seiten herausgeschnitten oder -gerissen wurden. Deshalb lässt man inzwischen Besucher nicht mehr unbeaufsichtigt in die Bibliothek. Im ganzen Kloster gibt es 80’000 Bücher. Es versteht sich von selbst, dass diese Exemplare nach wie vor zum Studium genutzt werden.

Spezielle Buchexemplare sind in der Vitrine zu bewundern, wie auch das folgende abgebildete Buch, das aus Materialmangel eine Seite aus einem Buch, das vielleicht nicht mehr gebraucht wurde, als Buchdeckelüberzug erhielt.

Die Deckenfresken stammen vom österreichischen Barockmaler Paul Troger, von dem es noch in anderen Räumen Malereien zu sehen gibt.

Die Kapelle, die noch romanische Elemente aufweist hat ebenfalls eine Besonderheit aufzuweisen. Hier sind Sitzbänke vorhanden, die, wenn man sie hochklappt, eine Vorrichtung haben, die einem auch im Stehen sitzen lassen. Wir haben es ausprobiert und es klappt hervorragend. Im Stift gibt es ausserdem Gästezimmer, ein Klosterladen ist angegliedert und der Klostergarten lädt zu einem Spaziergang und zum Verweilen ein.

In der Bibliothek

Auf der Suche nach Filmszenen, die als Schauplatz eine Bibliothek haben, bin ich auf „Mr. Bean in der Bibliothek“ gestossen. Den Film möchte ich euch nicht vorenthalten 🙂

Mr. Bean wünsche ich keinem Bibliothekar.

Viel Vergnügen!

Biblioburro / die Eselsbibliothek des Luis Soriano

Bild aus dem Comic von „Colors“ Magazine

Am 30. Oktober 2011 habe ich mir, wie so oft, auf ARD den „Weltspiegel“ angeschaut. Ein Beitrag galt Luis Soriano, der mit seinen zwei Eseln Alpha und Beto in die abgelegensten Orte Kolumbiens reist, mit dabei sind seine Pferdetaschen, prall gefüllt mit Büchern. Seine Mission ist, allen Menschen Bücher  zugänglich zu machen. Seine Arbeit ist nicht ungefährlich, so wurde er auch schon von Banditen überfallen, trotzdem macht er unvermindert weiter. Das Ganze nennt sich „Biblioburro“ (Eselsbibliothek).

Bereits vor drei Jahren hat der „Weltspiegel“ über seine Arbeit berichtet. Ich fand die Idee damals schon genial. Sein Traum war auch, in seinem Dorf La Gloria, in einem Raum eine Bibliothek einzurichten. Damals war der Raum noch leer. Die Weltspiegel-Zuschauer haben fleissig gespendet und so kamen über 4000 Euro zusammen und der Traum konnte inzwischen verwirklicht werden.

Vor mehr als einem Jahr wurde dann eine Stiftung eingerichtet, die „Fundación biblioburro“. Und im „Colors“ Magazine ist seine Geschichte als Comic abgedruckt worden. Wer mag, kann sie nachlesen. Auch Bilderbücher, nur in englischer Sprache, sind über „Biblioburro“ entstanden. Ich warte schon lange auf ein Exemplar, das ich bestellt habe.

Ein mutiger Mann, dieser Luis, mit einer wunderbaren Idee, wie ich finde und die unterstützt werden sollte. Da es keinen Sinn macht, Bücher zu liefern, habe ich mich beim „Weltspiegel“ nach einem Spendenkonto erkundigt und ich erhielt folgende Informationen:

„Ihr Wunsch, Herrn Luis Soriano mit seinem Bücherprojekt zu unterstützen, hat uns sehr gefreut. Wie uns unser Korrespondent Stefan Schaaf mitteilt, kann das bereits in unserem ersten Beitrag angegebene Spendenkonto weiterhin verwendet werden.

Es handelt sich hierbei um das deutsche Konto unseres Produktionsleiters in Bogotà, Herrn Tommy Ramm.

Auf diesem Konto werden die Herrn Luis Soriano zugedachten Spenden erst einmal gesammelt und anschließend in einer Summe an die Stiftung für das Bücherprojekt kostengünstig nach Kolumbien weitergeleitet (für Einzelüberweisungen nach Kolumbien würden unverhältnismäßig hohe Gebühren anfallen).

Hier die Bankverbindung unseres Produktionsleiters:

Tommy Ramm
Konto: 4114645603
BLZ: 100 500 00
Landesbank Berlin-Berliner Sparkasse

Ganz wichtig: Bitte geben Sie unbedingt als VerwendungszweckSpende für Bücheresel Kolumbien“ an.

Wie Sie im Film sehen konnten, kommt Ihr Geld auf diese Weise sicher und direkt an.“

Wenn Menschen Zugang zu Büchern bekommen, dient dies der Allgemeinbildung und, ob Kinder oder Erwachsene, das Lesen wird gefördert, der Analphabetismus bekämpft. Deshalb habe ich, statt für irgendeinen Blödsinn Geld auszugeben oder für mich ein Buch zu kaufen, 50 Euro einbezahlt. Jeder kleine Beitrag zählt. Vielleicht auch von euch liebe Leser/innen?

Für mich ist Luis Soriano der Mann des Jahres 2011 in Sachen Förderung des Lesens! Dieser Mann hat ein Herz für die Bevölkerung Kolumbiens, die weit abseits von Bildungsstätten lebt.