Der Frühling

Rhododendron

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag‘ entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo Feste sich verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

Friedrich Hölderlin (Deutscher Dichter, 1770 – 1843)

Frühlingsglaube

Winter_Frühling
Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.

O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiss nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiss der Qual!
Nun muss sich alles, alles wenden.

Ludwig Uhland (deutscher Dichter, 1787 – 1862)

Draussen liegt noch etwas Schnee. Ich habe mir bei einem Spaziergang vom Baumschnitt Zweige mitgenommen. Die Geduld hat sich gelohnt, denn die Zweige sind jetzt in voller Blüte 🙂

Das Gärtlein still vom Busch umhegt – Christoph Martin Wieland

Heute jährt sich der Todestag von Christoph Martin Wieland, dem deutschen Dichter, zum 200. Mal. Ihm zu Ehren ist im Museum Strauhof, Zürich, noch bis zum 24. Februar 2013 eine Ausstellung gewidmet. Und aus Anlass des Todestages hier ein kurzes Gedicht von Wieland:

Das Gärtlein still vom Busch umhegt,
Das jeden Monat Rosen trägt,
Das gern den Gärtner in sich schließt,
Der es betaut, der es begießt,
Es lebe hoch!

Der Bergmann, stark und wohlgenährt,
Der ohne Licht zur Grube fährt,
Der immer wirkt und immer schafft,
Bis er erlahmt, bis er erschlafft,
Er lebe hoch!

Christoph Martin Wieland (deutscher Dichter, 5.9.1733 bis 20.01.1813)

Ein neues Buch, ein neues Jahr

FeuerEin neues Buch, ein neues Jahr was werden die Tage bringen?
Wirds werden, wie es immer war, halb scheitern, halb gelingen?
Ich möchte leben, bis all dies Glühn rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht, wie die Flamm im Kamin, die eben zu Asche gesunken.

 Theodor Fontane (1819-1898)

Ein frohes neues Jahr

Frohe Weihnacht

Weihnachtsabend

Die fremde Stadt durchschritt ich sorgenvoll,
Der Kinder denkend, die ich ließ zu Haus.
Weihnachten war’s; durch alle Gassen scholl
Der Kinderjubel und des Markts Gebraus.

Und wie der Menschenstrom mich fortgespült,
Drang mir ein heiser Stimmlein in das Ohr:
,,Kauft, lieber Herr!“ Ein magres Händchen hielt
Feilbietend mir ein ärmlich Spielzeug vor.

Ich schrak empor, und beim Laternenschein
Sah ich ein bleiches Kinderangesicht;
Wes Alters und Geschlechts es mochte sein,
Erkannt‘ ich im Vorübergehen nicht.

Nur von dem Treppenstein, darauf es saß,
Noch immer hört‘ ich, mühsam, wie es schien:
,,Kauft, lieber Herr!“ den Ruf ohn‘ Unterlaß;
Doch hat wohl keiner ihm Gehör verliehn.

Und ich? – War’s Ungeschick, war es die Scham,
Am Weg zu handeln mit dem Bettelkind?
Eh‘ meine Hand zu meiner Börse kam,
Verscholl das Stimmlein hinter mir im Wind.

Doch als ich endlich war mit mir allein,
Erfaßte mich die Angst im Herzen so,
Als säß‘ mein eigen Kind auf jenem Stein
Und schrie nach Brot, indessen ich entfloh.

Theodor Storm

Liebe BesucherInnen, ich wünsche euch allen besinnliche und friedliche und vor allem fröhliche Weihnachten und hoffe, all eure Bücherwünsche werden erfüllt!