Frühlingsnacht

Blüte

Übern Garten durch die Lüfte
Hört ich Wandervögel ziehn, Das bedeutet Frühlingsdüfte,
Unten fängt´s schon an zu blühn.

Jauchzen möcht ich, möchte weinen,
Ist mir´s doch, als könnt’s nicht sein!
Alte Wunder wieder scheinen
Mit dem Mondesglanz herein.

Und der Mond, die Sterne sagen`s,
Und in Träumen rauscht`s der Hain,
Und die Nachtigallen schlagen`s:
Sie ist Deine, sie ist Dein!

Joseph von Eichendorff

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Joseph von Eichendorff

Joseph von Eichendorff

Vor 225 Jahren, am 10.03.1788 wurde Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff geboren. Wer hat nicht schon einige Gedichte von ihm gelesen oder vertont als Lied gesungen wie „Der Wandersmann“ oder vielleicht kennt jemand seine Novelle „Aus dem Leben eines Taugenichts“.

Mondnacht

Es war, als hätt‘ der Himmel
Die Erde still geküsst
Dass sie im Blüten-Schimmer
Von ihm nun träumen müsst.

Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus.

Bild am Samstag

© lesewelle

Weihnachten

Markt und Straßen stehn verlassen
still erleuchtet jedes Haus
sinnend geh ich durch die Gassen
alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
buntes Spielzeug fromm geschmückt
tausend Kindlein steh’n und schauen
sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
bis hinaus ins freie Feld
hehres Glänzen, heil’ges Schauen
wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen
aus des Schnee’s Einsamkeit
steigt’s wie wunderbares Singen
Oh du gnadenreiche Zeit!

(Joseph von Eichendorff, 1788-1857)