Acht Minuten

Péter Farkas erster Roman handelt von einem alten dementen Ehepaar. Der alte Mann und die alte Frau, wie die beiden schlicht genannt werden, bewältigen ihren Alltag auf ihre Weise. Für den alten Mann ist es nicht einfach, seine Frau anzukleiden, sie zu waschen, auch wenn sie sich wieder einmal eingekotet hat, und sie abends ins Bett zu stecken.

Er, der zu Anfang mit Allem noch besser zu Recht kommt, merkt, dass auch bei ihm nicht mehr alles zum Besten steht. Lesen geht plötzlich nicht mehr, wie er will, ein grosser Verlust. Er fängt an, ganze Seiten aufs Mal umzublättern, braucht viel Zeit, um sich den passenden Lesestoff auszusuchen.

„Er merkte plötzlich, dass sein Kopf ungemein schwer wurde, sobald er ein Buch aufschlug und anfing den Sinn der Buchstaben zu ergründen, als hätte man ihm alles Blei der alten Lettern um den Hals gehängt.“

Als die Haushalthilfen, die Betten des Ehepaares separat stellen, schlafen die alten Leute kurzerhand in einem Bett. Es spielt keine Rolle, wenn es etwas enger wird. Sie können nicht plötzlich, nach so vielen Ehejahren alleine schlafen. Sie gehören doch zusammen. Manchmal steht die alte Frau auf, legt sich auch einfach mal irgendwo in der Wohnung auf den Boden, dann holt sie der alte Mann wieder ins Bett.

„Er zog den hutzeligen Körper, dem scheinbar alle festen Stoffe entzogen worden waren, an sich und drückte ihn zärtlich, bis dieser allmählich die Wärme seines Körpers und den Rhythmus seines Atmens übernommen hatte.“

Es geht nicht ohne den Anderen, sie erleben den Tag manchmal ohne viele Worte zu verlieren, erleben auch Amüsantes und können über Dinge lachen, die unsereiner nicht mehr lustig finden würde. Aber das spielt für sie keine Rolle. Der alte Mann weiss, wie er seine Frau nehmen muss, in ihren guten und auch schlechten Momenten. Sie verstehen sich, denn ihre Liebe ist gross und stark und reicht über ihre Demenz hinaus, bis zum letzten Atemzug.

Péter Farkas wurde für diesen Roman mit dem Sándor-Márai-Preis ausgezeichnet und erhielt den Preis für den besten Debüt-Roman in Ungarn. Ich kann die Beweggründe einer jeden Jury für die Auszeichnung nachvollziehen. Dieser Autor hat eine bewegende Geschichte geschrieben. Sie ist nicht abstossend, sondern rührt einen tief im Herzen und wenn man in einer Partnerschaft lebt, kann man sich nur wünschen, dass man ebenso sehr geliebt wird, wie Farkas uns dies in seinem Roman vorzeigt.